# taz.de -- Neues aus Bundesliga-Bundesländern: Thüringeskes und zu wenig Dreck
> Was einer wissen hätte können, der aus Aachen kommt. Und warum sich der
> Trainer des MSV Duisburg nicht immer so aufregen soll.
(IMG) Bild: Immer mit der Ruhe: Erling Haaland mag sich nicht aufregen
Vielleicht ist es ja ein Glück, dass das Bundesland Thüringen noch nie in
seiner – zugegeben, kurzen – Geschichte einen fußballerischen Vertreter in
die Bundesliga entsenden konnte. Wer weiß, was der sonst angerichtet hätte.
Andererseits, vielleicht ist das auch ein Unglück, weil Menschen, die
verlässlich einmal die Woche etwas haben, worüber sie sich aufregen, sich
betrogen fühlen oder immens triumphieren können, einfach nicht mehr so viel
Energie haben, sich Empörenswertes aller Art auszudenken.
Wogegen, zugegeben, zweierlei spricht, nämlich zum einen, dass thüringeske
Ideen durchaus auch in Bundesliga-Bundesländern verbreitet sind. Und zum
anderen, dass Ex- oder [1][Bald-Ex-Ministerpräsident Kemmerich] aus Aachen
stammt, einer Stadt, in der man insgesamt zweimal erstklassig war. Und nun
mit einem Stadion leben muss, das – um es wohlwollend auszudrücken – ein
wenig zu groß für den derzeitigen Tabellenfünften der Regionalliga West
ist, der in dieser Saison auch wieder nicht aufsteigen wird. Mit anderen
Worten, wenn der FDP-Mann nicht nur im Fach Karneval, sondern auch beim
Fußball aufgepasst hätte, hätte er gewusst, wie eine verlorene Sache
aussieht. Aber hat er halt nicht.
Das ist schlecht, aber nicht so schlecht wie das, was der Borussia aus
Dortmund an diesem Wochenende widerfuhr. Die hat in Leverkusen 3:4 verloren
und ist nun sehr verzweifelt. Konnte ja nun auch wirklich niemand ahnen,
dass Erling Haaland nur dann Tore schießt, wenn er auch angespielt wird, so
ein Mist aber auch. „Die Mannschaft muss lernen, bei einer Führung
dreckiger zu spielen“, sagte Emre Can anschließend, was man hoffentlich in
Thüringen nicht gehört hat. Und Sportdirektor Michael Zorc analysierte,
dass man es den Gegnern zu leicht mache, Tore zu erzielen, was aber
praktisch bei jedem Gegentor auf der ganzen Welt der Fall ist – außer bei
Elfmetern.
## „Leider nicht gut genug“
Womit wir zur verlorenen Sache an sich kommen, also zu denen im Fußball,
und dazu, wie man eine solche danach erklärt. Pavel Kaderabek von der TSG
Hoffenheim ist das nach der 0:1-Niederlage seines Teams gegen den SC
Freiburg an diesem Wochenende nachgerade vorbildlich gelungen: „Wenn wir
gewinnen wollen, müssen wir Tore schießen – und das haben wir nicht“, sagte
er. Und auch Trainer Alfred Schreuder äußerte sich angesichts der Umstände
– eines vom TSG verursachten Elfmeters – recht stilvoll: „Ich habe trotz
der Niederlage zu den Jungs gesagt: ‚Wir waren heute gut, aber leider nicht
gut genug.‘ Trotzdem: Ich hasse verlieren.“
Und was erst die Mönchengladbacher nach ihrem sensationellen 12:3-Sieg
gegen den FC Köln gesagt hätten, wenn das Spiel nicht hinterrücks abgesagt
worden wäre, tja, ein Meilenstein, ein Mei-len-stein, wäre das gewesen,
beziehungsweise ein Grundstein, nämlich der zur Meisterschaft, die am 16.
Mai dann auch noch im eigenen Stadion hätte gefeiert werden können, nach
einem 4:0 gegen den Absteiger Hertha – doch, isso! Beziehungsweise wäre so
gekommen, wenn da nicht ebendieser Sturm gewesen wäre, schade.
Andernorts, also beim ruhmreichen MSV Duisburg, gab es an diesem Spieltag
übrigens beim 1:1 gegen Braunschweig keine Gewinner, was zu einem gewissen
Missmut beim Drittligatabellenführer (man kann es gar nicht oft genug
sagen: Tabellenführer!) führte, der aber vom gegnerischen Coach Marco
Antwerpen kongenial relativiert wurde. „Torsten, reg dich nicht immer so
auf“, sagte er, und er hatte recht: [2][Aufregungsverschwendung] ist in
diesen Zeiten absolut zu unterlassen.
9 Feb 2020
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## AUTOREN
(DIR) Elke Wittich
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