# taz.de -- Rumänien wählt einen neuen Präsidenten
       
       Rumänien bestimmt seinen Präsidenten in direkter Wahl. Rund 18 Millionen
       Menschen sind dazu am 10. November aufgerufen. Erhält kein Kandidat mehr
       als 50 Prozent der Stimmen, gibt es eine Stichwahl am 24. November. Zwar
       hat der Präsident in Rumänien vor allem repräsentative Aufgaben. Er kann
       aber zum Beispiel Gesetze ans Parlament zurückgeben oder Referenden
       ausrufen. Er ernennt den Premierminister und gilt als „Hüter der
       Verfassung“.
       
       In Umfragen führt Präsident Klaus Iohannis mit rund 45 Prozent. Er steht
       der Nationalliberalen Partei (PNL) nahe und ist Gegner der amtierenden
       Regierung unter Viorica Dăncilă. Ihre Sozialdemokratische Partei (PSD) trat
       2017 gemeinsam mit der Allianz der Liberalen und Demokraten (ALDE) an. Die
       aber verließ die Koalition im Sommer 2019. Daraufhin verlor Dăncilă ein
       Misstrauensvotum und regiert seither kommissarisch. Trotzdem kandidiert sie
       weiter für die Präsidentschaft. In Umfragen erreicht sie aktuell nur 12,5
       Prozent.
       
       Dăncilă gilt als Marionette von Ex-PSD-Chef Liviu Dragnea. Der hätte gern
       selbst als Premier an der Spitze der Regierung gestanden, kam aber durch
       seine Vorstrafen nicht infrage. Seit Mai 2019 sitzt er wegen
       Amtsmissbrauchs im Gefängnis.
       
       Die Ausrichtung der rumänischen Parteien lässt sich nur schwer in deutsche
       Schemata einordnen. Zwischen rumänischer PSD und deutscher SPD etwa gibt es
       große Unterschiede – so unterstützte die PSD ein Referendum gegen die
       Gleichstellung von Homosexuellen. Darüber hinaus vertreten die Parteien nur
       selten rechtspopulistische Positionen.
       
       Nach Iohannis ist Mircea Diaconu zweitstärkster Kandidat: Er kommt auf gut
       16 Prozent und wäre damit mit Iohannis in der zweiten Wahlrunde. Der
       Schauspieler tritt für die Parteien ALDE und Pro România an. Er will den
       Einfluss der Antikorruptionsbehörde und der Geheimdienste einschränken,
       aber auch die illegale Abholzung rumänischer Wälder stoppen.
       
       Drittstärkster Kandidat ist mit rund 14 Prozent Dan Barna von den
       zentristischen Parteien Union Rettet Rumänien (USR) und Plus. Die USR
       kämpft gegen Korruption, aber auch für niedrigere Steuern und weniger
       Beamte im öffentlichen Dienst. Lina Verschwele
       
       Mitarbeit: Liviu Bărbulescu
       
       4 Nov 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lina Verschwele
       
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