# taz.de -- heute in hamburg: „Psychische Krankheiten machen Angst“
       
       Interview Jana Hemmersmeier
       
       taz: Frau Bökemeier, Sie haben psychisch Kranke porträtiert. Warum? 
       
       Wiebe Bökemeier: Diese Menschen werden von der Gesellschaft lieber nicht
       gesehen. Da steckt Unsicherheit dahinter. Viele wissen nicht, wie sie
       reagieren sollen, und haben Vorurteile: Menschen mit einer Diagnose wie
       Paranoide Schizophrenie oder Psychose seien gefährlich, oder die mit
       Depressionen würden niemals lachen.
       
       Sehe ich jemandem an, dass er psychisch erkrankt ist? 
       
       Die meisten sagen, sie trügen eine Maske, um nicht aufzufallen. An unsinnig
       erscheinenden Verhaltensweisen kann man es aber manchmal erkennen. Ein
       Protagonist lebte beispielsweise während eines psychotischen Schubs drei
       Wochen im Wald.
       
       War die Begegnung für Sie schwierig? 
       
       Anfangs schon. Ich musste sehr persönlich fragen, wollte aber niemanden
       verletzen. Ich wusste, dass jemand hätte zusammenbrechen können.
       Vorbereitet habe ich mich darauf aber nicht. Ich wollte vorurteilsfrei auf
       sie zugehen. Beim ersten Mal war ich aufgeregter als die Protagonistin.
       Nach zehn Minuten habe ich aber gemerkt, dass ich mit Herz da rein muss.
       Die Leute müssen das Gefühl haben, dass man sie kennenlernen will. Und
       jetzt wissen sie wohl eben so viel über mich, wie ich über sie.
       
       Was hat Sie beeindruckt? 
       
       Dass die Menschen ihre Gedanken mit mir geteilt haben, die sie sonst vor
       der Öffentlichkeit verbergen. Wir haben 14 Leute gefragt und alle haben
       mitgemacht und die Texte freigegeben. Der Mut, auch die harten Geschichten
       auszupacken, hat mich beeindruckt. Einige haben so dramatische Dinge
       erlebt, dass es mir ein Rätsel ist, wie sie trotzdem so normal bleiben
       konnten.
       
       Was können wir gegen die Stigmatisierung tun? 
       
       Niemandem aus dem Weg gehen. Wenn im Supermarkt jemand mit einer
       Zählstörung jede Schachtel berühren muss, mache ich keinen Bogen um ihn.
       Die Protagonisten haben mir gesagt, es reichten schon kleine Gesten. Ein
       Lächeln gibt jedem ein gutes Gefühl, ob seelisch krank oder nicht.
       
       16 Sep 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jana Hemmersmeier
       
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