# taz.de -- Ermittlungen im Fall „Hannibal“: Überall Einzeltäter
       
       > Die Ermittlungen gegen André S. sind vor allem ein Versäumnis. Denn die
       > Behörden ermitteln gegen Einzelpersonen, nicht gegen ein Netzwerk.
       
 (IMG) Bild: Bundeswehrsoldaten der Eliteeinheit KSK trainieren den Häuserkampf und eine Geiselbefreiung
       
       Hannibal soll zahlen. Ein Amtsgericht in Baden-Württemberg hat einen
       Strafbefehl gegen André S. verhängt, [1][weil er Munition und Teile von
       Granaten bei sich zu Hause hatte] – 120 Tagessätze, Höhe unbekannt. Da er
       diesen nicht akzeptiert und Einspruch eingelegt hat, kommt es zum Prozess.
       Der frühere Soldat der Spezialeinheit KSK ist der Kopf [2][eines
       deutschlandweiten Netzwerks von Soldaten, Polizisten und Mitarbeitern von
       Sicherheitsunternehmen], in dem auch Rechtsradikale und Rechtsextreme ein
       Plätzchen finden. Seit zwei Jahren recherchiert die taz dazu.
       
       Das Strafverfahren ist ein Signal an Soldaten, bei denen es als
       Kavaliersdelikt gilt, Munition zu klauen. In Zeiten, in denen auch Soldaten
       und Reservisten glauben, sich auf einen Tag X vorbereiten zu müssen – eine
       künftige Katastrophe, bei der eventuell auch Gegner beiseitegeschafft
       werden müssen –, kann das nur zur Sicherheit im Land beitragen.
       
       Darüber hinaus jedoch bleiben die Ermittlungen zum Hannibal-Netzwerk vor
       allem: ein Versäumnis. Der Verein Uniter, [3][dessen Mitgründer André S.
       ist], die Chatgruppe Nordkreuz – sie sind Teil eines Geflechts, und
       entsprechend sollten die Behörden ermitteln. Stattdessen überall
       Einzeltäter.
       
       Beispiel: In Mecklenburg-Vorpommern wird gegen einen Polizisten und einen
       Rechtsanwalt ermittelt, weil sie terroristische Aktionen vorbereitet haben
       sollen. Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat Anklage gegen einen ehemaligen
       SEK-Beamten erhoben, der Munition gehortet haben soll. Die drei Männer
       waren über die Chatgruppe Nordkreuz verbunden, deren Administrator der
       frühere SEK-Polizist war, sie waren in Hannibals Chatgruppen. Trotzdem
       werden die beiden Fälle getrennt behandelt.
       
       In Folge dieses Vorgehens sieht man immer nur eine Reihe kleinerer
       Verfehlungen, jede für sich eine relativierbare Petitesse. Doch wenn es
       stimmt, dass Teile des Hannibal-Netzwerks mit Gewalt gegen ihre Feinde
       vorgehen wollen, dann sind ihre Verbindungen interessant, ihre Kontakte,
       ihr Umfeld. Das sollte man aus dem NSU gelernt haben.
       
       23 Sep 2019
       
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 (DIR) Daniel Schulz
       
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