# taz.de -- nord🐾thema: Hilfe, wenn im Team der Wurm drin ist
       
       > Immer mehr Unternehmen versuchen betriebliche Alltagskonflikte mit einer
       > Mediation zu lösen. Auch im Fall der LungenClinic Grosshansdorf zeigte
       > das Verfahren Erfolg. Oft wenden sich Firmen allerdings zu spät an
       > Mediationsstellen
       
 (IMG) Bild: Mittlerweile erkennen zahlreiche Unternehmen den sozialen Wert eines Mediationsverfahrens, stellt Petra Sandvoß, Leiterin der Hamburger Mediationsstelle für Wirtschaftskonflikte, fest
       
       Von Anja Junghans-Demtröder
       
       Ein Konflikt in der LungenClinic Grosshansdorf schien zunächst unlösbar:
       Nach strukturellen Veränderungen, wie sie in vielen Unternehmen anstehen,
       brach in einer Arbeitsgruppe der Klinik die Vertrauensbasis zusammen. Der
       Kommunikationsfluss riss ab, es wurde übereinander und nicht miteinander
       geredet, es kam zu vermehrten Krankmeldungen. Keine Spur mehr von
       partnerschaftlicher Zusammenarbeit, MitarbeiterInnen scheuten auch das
       offene Gespräch mit der Geschäftsführung. Was also tun?
       
       Bis dato war für Susanne Quante ein gemeinsamer Lösungsweg nicht mehr
       greifbar. Quante ist Kaufmännische Geschäftsführerin der Klinik. „In der
       Arbeitsgemeinschaft regierte einzig und allein der persönliche Konflikt,
       auch mit der Vorgesetzten, und nicht mehr das gemeinsame Ziel“, sagt sie.
       
       So wie im Fall der LungenClinic sind auch in anderen Unternehmen im
       betrieblichen Alltag Streitigkeiten an der Tagesordnung.
       Veränderungsprozesse sowie Interessenkollisionen produzieren eine Menge
       Reibung. Immer mehr Unternehmen wollen diese kostenintensiven Stolpersteine
       aus dem Weg räumen. Sie suchen ein effektives Konfliktmanagement, das Geld
       spart und zudem eine florierende Unternehmenskultur ermöglicht. Einen
       Ansatz bietet die Mediation. Um weitere negative Auswirkungen zu
       verhindern, entschied sich schließlich auch die Klinik-Geschäftsführerin
       Quante für diesen Weg.
       
       ## Lösung mit sozialem Wert
       
       Seit im Juli 2012 das Mediationsgesetz in Kraft trat und erstmals die
       Regeln für die Mediation gesetzlich festlegte, wurde das Verfahren bekannt
       und führte auch dazu, dass zahlreiche Firmen den sozialen Wert einer
       kompetenten Streitlösung erkannten. Petra Sandvoß leitet die Hamburger
       Mediationsstelle für Wirtschaftskonflikte – sie weiß, dass viele Betriebe
       mit der Problematik eines Konfliktes häufig überfordert sind. Ein
       abteilungsinterner Streit kann soweit eskalieren, dass die Umsetzung von
       Unternehmenszielen gefährdet sein kann. Zumal unter brodelnden Konflikten
       die Qualität und Fertigstellung der Arbeit leidet. Führungskräfte sind
       daher nicht nur im wirtschaftlichen Sinne an einer frühzeitigen Schlichtung
       von Zerwürfnissen interessiert.
       
       Als die ausgebildete Wirtschaftsmediatorin Corinna Moormann mit der
       Mediation in den Konflikt bei der LungenClinic einstieg, war die kritische
       Stufe bereits erreicht. Ein hoher Krankenstand, tiefe Verzweiflung und
       zunehmendes Misstrauen dominierten den Arbeitsalltag der Mitarbeiter. Der
       Konflikt hatte eine lang andauernde Vorgeschichte, bei dem der Glaube an
       eine gemeinschaftliche Lösung bereits verloren war.
       
       ## Mediation wird oft zu spät eingeschaltet
       
       Eine Erfahrung, die die Mediatorin aus ihrer Praxis kennt: „Eine Mediation
       wird meist erst organisiert, wenn der Konflikt schon eskaliert ist“, sagt
       Moormann. Sobald ein Zerwürfnis am Horizont sichtbar wird, rät die
       Mediatorin Führungskräften früh mit dem Mediationsverfahren zu beginnen.
       Eskalationen ließen sich dadurch frühzeitig vermeiden. „Eine Versöhnung der
       Konfliktparteien wird dadurch erleichtert“, sagt Moormann.
       
       Das Konfliktfeld in der LungenClinic ging laut Moormann aus mangelnder
       Führungskompetenz der Teamleitung hervor. So gab die Leiterin den Druck
       weiter, den sie selbst verspürte. In den gemeinsamen Mediationssitzungen
       ging es jedoch nicht um Schuldzuweisungen. „Sondern darum, wie man wieder
       vertrauensvoll und kooperativ miteinander zusammen arbeiten kann“, so
       Moormann.
       
       Dabei legte die Mediatorin den Schwerpunkt auf die Wahrnehmung der guten
       Absichten, die Bedürfnisse des Einzelnen sowie die Klärung von
       Missverständnissen. In einem wertschätzenden Ton richteten sich
       MitarbeiterInnen an die Teamleitung und machten Vorschläge, wie sie etwas
       verändern kann. „Das ist für Führungskräfte häufig sehr hilfreich“,
       berichtet Moormann.
       
       Am Ende standen gemeinsame Lösungen, durch die die Beziehungen der Parteien
       weiterhin erhalten blieben. Der Erfolg war deutlich: die Krankmeldungen
       gingen im Team zurück. Das Ziel, eine harmonische Zusammenarbeit zu
       gewährleisten, die der Erhaltung von Arbeitsplätzen dient, wurde erreicht.
       
       ## Ohne Schiedsrichter
       
       Mediation basiert dabei auf einer freiwilligen, außergerichtlichen
       Streitbeilegung. Der Mediator unterstützt als neutrale Person die
       Konfliktparteien, um eine einvernehmliche Problemlösung zu erarbeiten.
       „Wirtschaftsmediatoren hören sich die Argumente an, ohne in die Rolle eines
       Schiedsrichters zu schlüpfen“, erklärt Mediationsstellen-Leiterin Sandvoß.
       
       Eine Tatsache, die auch den Unterschied zum Gerichtsverfahren verdeutlicht.
       Der Richter spricht Recht, er kann nicht die Interessen beider Seiten
       wahren – während Mediation eine Win-Win-Lösung vor Augen hat, bei der beide
       Seiten profitieren. Einflüsse von Marshall Rosenberg, Wegbereiter der
       Gewaltfreien Kommunikation, prägen das Verfahren. Selbstverantwortlichkeit
       verschafft Unternehmern bei der Konfliktbewältigung größeren Spielraum,
       weil die Entscheidung nicht aus der Hand gegeben wird.
       
       Einer Umfrage der Hamburger Handelskammer zufolge wird in der
       Wirtschaftsmediation derzeit eine Erfolgsquote zwischen 75 und 80 Prozent
       erzielt. Das Einsatzgebiet der Mediation ist vielfältig und deckt fast alle
       Konfliktbereiche ab. Bedarf es einer rein rechtlichen Entscheidung durch
       ein verbindliches Urteil, stellt sich das mediative Konzept als ungeeignet
       heraus. „Vereinfacht gesagt: Mediation wird dann angewandt, wenn es
       menschelt“, so Sandvoß.
       
       Da das Verfahren frei vereinbart wird, ist es unkompliziert. Mediatoren
       rechnen meist auf Stundenbasis ab. Jeder Mediator kann gemäß der Hamburger
       Mediationsordnung für Wirtschaftskonflikte ein Stundenhonorar ab 150 bis
       350 Euro oder ein Tageshonorar in Höhe von 1.200 bis 2.800 Euro mit den
       Parteien vereinbaren.
       
       14 Sep 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anja Junghans-Demtröder
       
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