# taz.de -- wie machen sie das?: Der Rhetoriker
       
       Benedikt Held, 20, ist Kommunikationscoach und erreicht mit seinem
       YouTube-Kanal „RedeFabrik“ über 300.000 Abonnent*innen. Zweimal in der
       Woche erscheint ein neues Video. 
       
       taz am wochenende: Herr Held, Sie verwandeln Normalos mit YouTube-Tutorials
       zu charismatischen Leitfiguren. Wie machen Sie das? 
       
       Benedikt Held: Ich gebe meinen Followern eine Theorie mit, von der ich
       denke, dass sie jedem im Alltag helfen kann. Zum einen mit Theorievideos,
       zum anderen analysiere ich große Politiker, fiktive Charaktere und bekannte
       Beispiele aus den Medien. So bekommen Leute, die den Kanal verfolgen,
       schnell ein Gespür für Kommunikation.
       
       Was für Theorien sind das? 
       
       Meine Basis besteht aus Erkenntnissen der Kommunikationswissenschaften, der
       Psychologie und der Hirnforschung. Ich habe mir angeschaut, was exzellente
       Kommunikatoren von schlechten Rednern unterscheidet. Ich sehe mir an, warum
       Barack Obama ein guter Rhetoriker ist und warum es anderen nicht gelingt,
       so wie er zu überzeugen.
       
       Ist es schwierig, dieses Wissen in Videos zu gießen? 
       
       Das ist schon eine gewisse Herausforderung, denn YouTube ist ein relativ
       kurzes Format. Ich lasse mich aber nicht einschränken, meine Begeisterung
       ist größer als die Herausforderung. Und es macht mir Spaß, große Themen so
       herunterzubrechen, dass man sie einfach konsumieren kann. Ich will keine
       abstrakte Vorlesung halten, sondern Wissen in kleine Häppchen packen.
       
       Wann kann Rhetorik im Alltag helfen? 
       
       Grundsätzlich kommunizierst du in jeder Situation deines Lebens. Konkreter:
       beim Bewerbungsgespräch, bei einer Gehaltsverhandlung oder unter Freunden,
       um Missverständnisse aufzuklären.
       
       Was kann man von charismatischen Serienfiguren lernen? 
       
       Im Unterschied zu realen Personen werden Serienfiguren geskriptet, und ein
       Regisseur macht sich darüber Gedanken, wie Charaktere wirken sollen. Weil
       im Film alles rundläuft, sieht man, wie Rhetorik im Optimalfall
       funktioniert. Harvey Specter aus der Anwaltsserie „Suits“ sollte man sich
       zum Beispiel nicht als Vorbild für jeden Lebensbereich nehmen. Wenn es
       jedoch um einen hohen Status, um Autorität und Dominanz geht, ist er quasi
       perfekt.
       
       Was ist der Unterschied zwischen Überzeugen und Überreden? 
       
       Ich denke, dass Überzeugen eine andere Person zum eigenen Standpunkt führt,
       der auch gut für sie ist, während Überreden mit negativen Konsequenzen für
       die Person verbunden ist. Manche Menschen werfen der Rhetorik vor, dass sie
       manipulativ sei. Aber sie ist nur ein Werkzeug.
       
       Interview: Simon Schwarz
       
       14 Sep 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simon Schwarz
       
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