# taz.de -- heute in bremen: „In Probenloten wir die Grenzen aus“
       
       Interview Florian Fabozzi
       
       taz: Herr Stuckenbrok, wie lässt sich eine Jubiläumsgala improvisieren? 
       
       Florian Fabozzi: Indem man dasselbe Prinzip verfolgt wie immer. Der
       Unterschied zu unseren normalen Auftritten liegt nur darin, dass heute
       Abend, neben dem Publikum, auch ehemalige Spieler*innen die Richtung
       vorgeben.
       
       Wie schafft es ein Impro-Theater, 20 Jahre lang zu überdauern? 
       
       Wichtig ist, dass man innerhalb des Teams tolerant für andere Ansichten,
       Ideen und Humor ist. Als Team darf man niemals Routinen zulassen, sondern
       muss sich immer wieder erneuern und neue Herausforderungen suchen.
       
       Sie bezeichnen sich selbst als „Theater ohne Konservierungsstoffe“. Was ist
       damit gemeint? 
       
       Im Improtheater ist jedes Spiel einzigartig und lässt sich nicht
       konservieren. Jedes Stück ist „frisch zubereitet“.
       
       Es ist das, was den Reiz am Improtheater ausmacht? 
       
       Ja, aber da gibt es noch mehr. Für uns Schauspieler liegt der Reiz darin,
       in dem Moment vertieft zu sein, jeden kleinen Impuls im Spiel aufzunehmen
       und aus der eigenen Rolle heraus zu reagieren. Das Publikum ist fasziniert
       von der Unvorhersehbarkeit eines Improvisationsspiels. Man weiß beim
       Improtheater nie, was als nächstes passieren könnte.
       
       Inwieweit gibt es im Improtheater Tabus? 
       
       Das ist ein schwieriges Thema, über das wir auch intern oft diskutieren und
       bei dem wir uns auch nicht einig sind. In Proben loten wir immer die
       Grenzen aus und testen, wie wohl wir uns dabei fühlen. Ich persönlich bin
       der Meinung, dass man als Kunstfigur auf der Bühne alles sagen darf.
       Schließlich wollen wir die Zuschauer nicht entmündigen, indem wir ihre
       Vorgaben ablehnen.
       
       Was ist Ihr prägendstes Erlebnis mit dem Theater gewesen? 
       
       2006 waren wir Mitorganisatoren der Theatersport-Weltmeisterschaft, die zum
       Kulturprogramm der Fußball-WM gehörte. Dort waren unter anderem
       Theatergruppen aus Kolumbien, Schweden, Neuseeland vor Ort. Es traten immer
       zwei Theatergruppen gegeneinander auf der Bühne an und stellten einander
       Aufgaben. Am Ende stimmte das Publikum darüber ab, welcher Auftritt ihnen
       mehr gefallen hat. Den ersten Platz haben wir leider verfehlt – der ging an
       Kanada.
       
       31 Aug 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Florian Fabozzi
       
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