# taz.de -- Debatte um Verzicht auf Schweinefleisch: Drohungen gegen Leipziger Kitas
       
       > SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung hat es nun auf Facebook öffentlich
       > gemacht: Die beiden Einrichtungen werden verbal massiv angegriffen.
       
 (IMG) Bild: Gibt's kein Schwein in der Kita, verliert der Wutbürger die Contenance und wird selbst zu einem
       
       DRESDEN taz | Die öffentliche Debatte über den Schweinefleischverzicht
       zweier Leipziger Kitas hatte sich gerade beruhigt. Doch nun wird sie wohl
       wieder aufflammen, denn der Oberbürgermeister der Stadt, Burkhard Jung,
       veröffentlichte am Dienstag Drohungen, die bei den beiden Einrichtungen
       eingegangen waren.
       
       In einem [1][Facebookpost zitiert er Äußerungen], die demnach den Kitas
       schriftlich zugesendet oder „unverhohlen persönlich überbracht“ sein
       sollen: „An den Galgen mit dir oder standrechtlich erschießen“ oder auch
       „Ich werde sie nicht nur krankenhausreif schlagen, ich werde sie töten, mit
       einem Messerstich ins Herz.“
       
       Jung kommentiert dazu: „Die Entscheidung der Leipziger Kitas ist keine
       kulturelle Unterwerfung sondern eine freie Entscheidung in einem freien
       Land“. Es sei unverantwortlich, die Essensauswahl einer Kita zum Untergang
       unserer Kultur hochzustilisieren.
       
       Vergangene Woche war [2][durch einen Artikel in der Bild-Zeitung öffentlich
       bekanntgeworden], dass zwei Leipziger Kindertagesstätten entschieden
       hatten, zum Mittagessen kein Schweinefleisch mehr zu servieren. Daraufhin
       empörten sich PolitikerInnen, unter anderem aus der AfD und der
       CSU-Landesgruppenchef in Bundestag, Alexander Dobrindt. Auf Twitter
       trendete der Hashtag #schweinefleisch. Die Leipziger Polizei schickte
       mehrfach Streifen zu der Kita.
       
       Die Leitung der Einrichtungen zog daraufhin den Verzicht auf eine bestimmte
       Sorte Fleisch, nämlich das vom Schwein, vorläufig zurück und vertagte eine
       Entscheidung darüber auf einen Elternabend im August.
       
       Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung schreibt in seinem Post auf
       Facebook auch, „Der Untergang des Abendlandes“ gehe nicht von „denen aus,
       die aus welchen Gründen auch immer eine andere Ernährungskultur haben“,
       sonder von denjenigen, „denen jeglicher moralische Kompass und der Anstand
       verlorengegangen“ sei. Er nennt die CDU, die AfD, „die Gaulands, Weidels
       und Höckes“. Würden nun Kindergärten bedroht, sei ihre Saat aufgegangen.
       
       Jung, selbst SPD-Mitglied, ist zur Zeit im Urlaub. Auch seine Pressestelle
       möchte der taz keine weiteren Fragen beantworten. Ein Sprecher der
       Leipziger Polizei bestätigte der taz, dass nun auch Anzeigen wegen
       Drohungen gegen die Kitas eingangen sei. Der Staatsschutz ermittelt nun, um
       die Absender ausfindig zu machen.
       
       31 Jul 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.facebook.com/burkhard.jung/posts/2234347543543627?__tn__=K-R
 (DIR) [2] /Ortstermin-in-Leipziger-Kita/!5608561
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Linda Peikert
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Drohungen
 (DIR) Leipzig
 (DIR) Kitas
 (DIR) Schweinefleisch
 (DIR) Hass
 (DIR) Wahlen in Ostdeutschland 2024
 (DIR) Heult doch!
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahlen
 (DIR) Fleisch
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Elternabende als grausames Vergnügen: „Find' ich nicht gut“
       
       Elternabend, und die ewigen Fragen: Wer hat die Adressliste gesehen, gibt
       es eine Klassenkasse, und sind Schlamperlisten okay? Was für ein Theater!
       
 (DIR) Ortstermin in Leipziger Kita: Schweinefleisch ab 16 Uhr
       
       Eine Kita in der Leipziger Südvorstadt gerät durch einen „Bild“-Titel in
       die Schlagzeilen. Alles wegen ein paar Gummibärchen und Landtagswahlen.
       
 (DIR) Kein Schweinefleisch in Leipziger Kitas: Skandal im Sommerloch
       
       Beim Schweinefleisch hört der Spaß auf. Findet zumindest die „Bild“-Zeitung
       und legt die Grundlage für einen rechten Shitstorm.