# taz.de -- Nils Schuhmacher Soundtrack für den Norden: Abgesang auf die Kaputtheit der großen Politik
       
       Was unterscheidet Neneh Cherry(6. 7., Hamburg, Große Freiheit 36) von Sara
       Hebe(6. 7., Bremen, Breminale, 11. 7., Hamburg, Hafenklang)? Sara Hebe trat
       beim diesjährigen „Rio Loco“-Festival in Toulouse auf, das unter dem Motto
       „La Voix des Femmes“ stand. Neneh Cherry sagte ihre Teilnahme kurzfristig
       ab. Allerdings deutet sich in dem verhinderten Zusammentreffen auch eine
       mehr als nur weitläufige Gemeinsamkeit an. Beide stehen nämlich für
       verschiedene Generationen, Traditionen und Stilversionen des Brückenbaus
       zwischen Rap, Pop, Politik und Feminismus.
       
       Cherry tauchte nach einer Sozialisation in der Londoner Punk-Szene Ende der
       1980er-Jahre als Hip-Hop-Spezialfall auf, indem es ihr gelang, Rap,
       Pop-Mainstream und später Free Jazz mit „female“ und „political
       consciousness“ zu verknüpfen.
       
       Nach zwischenzeitlichen 18 Jahren Funkstille folgte mit „Blank Project“
       eine etwas verhangene, zwischen Soul und Trip-Hop angesiedelte Platte.
       „Broken Politics“, der Nachfolger von 2018 ist noch einmal musikalisch
       reduzierter; und textlich ein düster ausfallender Abgesang einer Welt am
       Abgrund, gegen den – was bleibt uns denn auch übrig? – weiter angesungen
       wird. Wie umfassend dieser Abgrund und das Ringen um Abstand letztlich ist,
       zeigt sich an den verhandelten Themen.
       
       Und er zeigt sich auch bei der argentinischen Rapperin Hebe. Deren Diktum,
       alles sei politisch, mag auf den ersten Blick flach klingen. Aber in einer
       Zeit der Kaputtheit großer Politik und der Eindampfung politischer Fragen
       zu ganz privaten Sichtweisen kann man es eigentlich nicht deutlich genug
       sagen.
       
       Hebe, die 2018 ihr drittes Album rausgebracht hat, gehört zur Generation
       jüngerer Vertreterinnen des südamerikanischen Hip-Hop, die Feminismus und
       soziale Kämpfe zusammen denken und in deren Musik sich verschiedene
       Einflüsse von Old-School-Rap über Dancehall und Cumbia mischen.
       
       In der Sache und im Geist ist sie also nicht weit entfernt von der
       dienstalten Schwedin, im Stil aber sehr viel roher und direkter. Das wäre
       dann gegebenenfalls auch noch etwas, das beide unterscheidet.
       
       6 Jul 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nils Schuhmacher
       
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