# taz.de -- die dritte meinung: Batterieautos dürfen nicht auf Teufel komm raus durchgesetzt werden, sagt Michael Theurer
       
       Die Anmaßung von Wissen, also der Glaube daran, dass man als Politiker alle
       relevanten Bedürfnisse aller Menschen wissen, verstehen und verarbeiten
       könne, bleibt auch heute noch eine häufige Selbstüberschätzung von
       Politiktreibenden. Man kann in Wirklichkeit kaum mehr, als zu ahnen und zu
       vermuten – beispielsweise sind Umfragen oft horrend widersprüchlich. Will
       man den Menschen ihren persönlichen Weg zum Glück nicht verbauen, so darf
       man nicht jedes Lebensdetail durchregulieren.
       
       Was die Mobilität angeht, beschreitet die Große Koalition hingegen einen
       ganz anderen Weg. Einseitig sollen Batterieautos auf Teufel komm raus
       durchgesetzt werden – ein ganzes Netzwerk aus Subventionen, Abgaben und
       technischen Vorgaben ist auf die maximale Wettbewerbsverzerrung ausgelegt.
       Dieser Weg basiert auf dem größten Hochmut: dem Glauben, in die Zukunft
       schauen zu können. Angeblich würde sich diese Technologie durchsetzen.
       
       „Halt!“ rufen der Gewerkschafter und das Institut für Arbeitsmarkt- und
       Berufsforschung, „da gehen allein in Deutschland 100.000 Arbeitsplätze
       verloren.“
       
       „Halt!“ ruft der Ökologe, „die Umweltschäden aus der Batterieproduktion und
       -entsorgung sind gravierend.“
       
       Und „Halt!“ ruft auch das Fraunhofer Institut, „die
       Wasserstoffbrennstoffzelle ist bereits bei Autos ab 250 Kilometer
       Reichweite klimafreundlicher“.
       
       Was tun? Während die FDP bisher stets auf Technologieoffenheit pochte, so
       war sie doch damit allein auf weiter Flur – noch dazu wurde dies häufig
       fälschlicherweise als rückwärtsgewandtes Verteidigen des Status quo
       verunglimpft. Dabei könnte die Brennstoffzelle die oben genannten Probleme
       lösen.
       
       Ein Umdenken findet statt – insbesondere bei den Grünen. Ihre führenden
       Energie- und Klimapolitiker haben ein Papier geschrieben, in dem Offenheit
       für Wasserstoff gefordert wird. Das könnte 2021 die Grundlage für eine
       grün-gelbe Reformkoalition in Baden-Württemberg werden: Wasserstoffland Nr.
       1.
       
       22 Jul 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Theurer
       
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