# taz.de -- Generation Sommerloch: Der Sommer ist da – was tun?
       
       > Es ist Juli, die Geisteswissenschaft ist im Ausnahmezustand und ich warte
       > auf meine nächste Erkältung. Immerhin gibt es Wurstsemmel-News.
       
 (IMG) Bild: Rückendusche gefällig?
       
       Den Spalt, der sich zwischen Füßen und den von Jahr zu Jahr zahlreicher
       werdenden Sommerschlappen auftut, mit Beton oder Reißzwecken, vielleicht
       auch mit Staub oder Fett, aufzufüllen, ist mir schon seit Langem ein
       Anliegen. Es liegt an, genauso wie die Schlappen an den Füßen anliegen –
       beim Gehen aber immer wieder ab- und zurückschlappen.
       
       Und die Schlappenträger? Tun so, als sei gar nichts. Als sei das normal.
       Als gehöre es zum Wesen des Menschen dazu, [1][unaufhörlich Klackgeräusche
       mit den Fersen zu emittieren]; und als mache genau dieser Vorgang nicht
       bloß einen, zugegeben überrepräsentierten, Minimalstbereich des Wirklichen,
       ja Wahrzunehmenden aus, dem nun ums Verrecken eine Beachtung geschenkt
       werden soll. Eine Beachtung, die vormals in der Fernsehlotterie oder der
       Hydrantenpflege doch nun wirklich nicht schlecht angelegt war.
       
       ***
       
       Der Sommer ist da. Und ich weiß gar nicht, wohin mit meiner Zeit, wenn ich
       nicht mehr ständig erkältet bin. Mir ist regelrecht langweilig; lustlos
       warte ich, bis das polleninduzierte Histamin wieder kickt und mein Körper
       sich schüttelt, doch auch das passiert viel zu selten. Ohne die Massen an
       Schleim, die, das habe ich jetzt erst verstanden, das Immunsystem ja immer
       wieder neu produziert, sobald Rachen und Nase leergestoßen sind, fehlt
       nicht zuletzt eine bedeutende Nahrungsquelle. Denn immer nur Nudeln ist
       Mist.
       
       ***
       
       Der geisteswissenschaftliche Betrieb taumelt im Ausnahmezustand. Wie [2][in
       Kalabrien die ’Ndrangheta-Clans], so haben sich an deutschen Universitäten
       mächtige Wissenschaftsdynastien etabliert. In Samen und Eizelle tragen sie
       das Pathos der Theorie durch den Stammbaum. Müssten alle nicht ständig so
       irre viel lesen, gäbe es bald Tote.
       
       ***
       
       Kaffee mit Milch. Warum nicht mal Kaffee mit Öl?
       
       ***
       
       Die Frage der Zeit, die Frage jeder Zeit: wie die Menschen so geworden
       sind. Man war ja nicht dabei, kennt sie nur als fertige.
       
       ***
       
       Definitives journalistisches Highlight der letzten Tage: die Geschichte
       „[3][Wurstsemmel“ im Bad um 2 Euro mit 1 Blatt Wurst.] Alle
       What-the-fuck-Fragen werden schon in der Überschrift beantwortet, danach
       dann noch fein elaboriert. Die 56-jährige Manuela T. aus St. Pölten nämlich
       hat es bei einem Besuch im Sommerbad schwer getroffen, aber sie weiß sich
       zu helfen und ruft die Redaktion von heute.at.
       
       Auf dem Spiel steht Grundlegendes: „Wissen Sie, mir geht es darum:
       Wurstsemmerl werden auch viel von Kindern gekauft und die Kleinen können
       sich nicht so wehren. Und man ist ja fast ohnmächtig, ich habe keine
       Ahnung, wo ich mich sonst beschweren kann.“ Das Gefühl einer Generation.
       Like wer kennt.
       
       14 Jul 2019
       
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