# taz.de -- Nach Festnahmen und Gewalt im Sudan: Opposition tritt in Streik
       
       > Mit landesweiten Arbeitsniederlegungen will das Gewerkschaftsbündnis SPA
       > jetzt dafür sorgen, dass eine zivile Regierung zustande kommt.
       
 (IMG) Bild: Da war der Optimismus der Aktivisten im Sudan noch ungebrochen: Demonstranten in Khartum am 2. Mai
       
       Khartum dpa/afp | Oppositionsgruppen im Sudan haben am Sonntag einen
       landesweiten Streik begonnen. Es gehe um eine „friedliche Form des
       Widerstandes“, um die übermächtige Armee „in die Knie zu zwingen“, teilte
       das Gewerkschaftsbündnis SPA bei Twitter mit. Die Bewegung des zivilen
       Ungehorsams werde erst dann enden, wenn eine zivile Regierung selbst im
       Staatsfernsehen ankündigt, dass sie an der Macht sei, hieß es am Samstag.
       
       Nur Ärzte und Pflegepersonal seien von dem Generalstreik ausgenommen, damit
       Kranke und Verletzte weiter behandelt werden könnten. Welche Formen und
       Ausmaße ein ziviler Ungehorsam tatsächlich annehmen würde, war unklar, denn
       zumindest in Khartum herrschte am Samstag in vielen Vierteln Leere.
       Menschenleere Straßen und geschlossene Geschäfte prägten das Bild in der
       Hauptstadt am letzten Ferientag zum Ende des Fastenmonats Ramadan.
       
       Der Streik folgt auf die mutmaßliche Festnahme zweier Oppositionsführer.
       
       Der Generalsekretär der Rebellengruppe SPLM-N, Ismail Jallab, und deren
       Sprecher, Mubarak Ardol, waren internationalen Medienberichten zufolge
       wenige Stunden nach einem Treffen mit Äthiopiens Ministerpräsidenten Abiy
       Ahmed am Freitag [1][in Gewahrsam genommen worden]. Die Berichte, die auf
       ungenannten Quellen basierten, ließen sich zunächst nicht unabhängig
       verifizieren.
       
       Als Regierungschef des Nachbarlandes versucht Abiy, in der Krise im Sudan
       zwischen der Militärführung und der Opposition zu vermitteln, um den
       Frieden wiederherzustellen. Dazu hatte er sich am Freitag mit dem
       militärischen Übergangsrat sowie mit Mitgliedern des Oppositionsbündnisses
       FFC getroffen.
       
       ## Geheimdienst räumt Tod von 61 Menschen ein
       
       Der Militärrat hatte nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar
       al-Bashir infolge von monatelangen Massenprotesten im April die Führung
       übernommen. Mit dem Rat einigte sich die Protestbewegung Mitte Mai
       grundsätzlich darauf, dass ein gemeinsamer Übergangsrat die Geschicke des
       Landes in den kommenden drei Jahren lenken soll. Seither herrschte aber
       Streit darüber, welche Seite dieses Gremium führen soll.
       
       Sicherheitskräfte hatten am vergangenen Montag [2][mit Gewalt eine
       wochenlange Sitzblockade in Khartum aufgelöst], die maßgeblich zum Sturz
       des Langzeitmachthabers Omar al-Bashir beigetragen hatte.
       
       Nach Angaben des oppositionsnahen Zentralkomitees sudanesischer Ärzte
       starben seitdem mehr als hundert Menschen. Das Geheimdienstministerium
       räumte den Tod von 61 Menschen ein, darunter rund 50 erschossene
       Zivilisten.
       
       9 Jun 2019
       
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