# taz.de -- Hannover 96 nur noch zweitklassig: Ratlos vor den Trümmern
       
       > Hannover 96 ist am Samstag vorzeitig aus der 1. Fußball-Bundesliga
       > abgestiegen. Wie es weitergehen soll, ist ob der Querelen im Verein
       > völlig unklar.
       
 (IMG) Bild: Der schöne Sieg gegen Freiburg hat leider nichts genützt: trauernder Fan
       
       HANNOVER taz | Seit Samstag steht fest: Hannover 96 steigt erneut aus der
       1. Bundesliga ab. Der bisherige Tabellenletzte gewann zwar am Samstag mit
       3:0 (1:0) gegen den SC Freiburg. Da aber auch der Hauptkonkurrent VfB
       Stuttgart zeitgleich den VfL Wolfsburg mit 3:0 besiegte, beträgt der
       Rückstand auf den Relegationsplatz weiterhin sechs Punkte. Das können die
       Niedersachsen am letzten Spieltag bei Fortuna Düsseldorf nicht mehr
       aufholen.
       
       Wie es nun weitergehen soll, ist unklar. Nach wie vor wird ein neuer
       Sportdirektor gesucht. Ob Thomas Doll als Cheftrainer bleiben darf, ist
       unklar. Ex-Präsident Martin Kind, der kaufmännisch nach wie vor das Sagen
       hat, verantwortet einen Scherbenhaufen, der nicht plötzlich, sondern mit
       langem Anlauf entstanden ist. Er hat sich trotz aller Kritik an seinem
       Führungsstil und den vielen einsamen Entscheidungen vorgenommen, ihn selbst
       zusammenzufegen.
       
       Angesichts der Tücke, dass Hannover 96 gerade zum zweiten Mal innerhalb von
       drei Jahren in die 2. Liga zurückversetzt wird, geht es bei diesem etwas
       anderen Verein erstaunlich ruhig zu. Die Fans verabschiedeten ihre
       Mannschaft am vorletzten Spieltag mit Applaus und Leidenschaft. Der
       3:0-Heimsieg gegen den SC Freiburg gab Anlass zu Stolz, auch wenn er nach
       Wochen der Erfolgslosigkeit zu spät kam.
       
       „Der Abstieg ist nicht heute besiegelt worden“, meinte Doll. Immer wieder
       hatte er darauf hingewiesen, dass man nicht nur an sportlichen Defiziten,
       sondern auch an hausgemachten Problemen gescheitert sei. Doll wundert sich
       bis heute darüber, warum sich Kind schon Wochen vor dem Saisonende über das
       Scheitern von Hannover 96 öffentlich geäußert hat.
       
       ## Schlaudraff in schwieriger Rolle
       
       Vor allem einer bei Hannover 96 darf gespannt sein, welche Richtung künftig
       eingeschlagen wird. Der langjährige 96-Profi Jan Schlaudraff sollte
       eigentlich als Assistent des Sportdirektors lernen und sich für eine
       tragende Rolle abseits des Rasens empfehlen. Weil aber seit der Entlassung
       von Horst Heldt Anfang April noch kein Nachfolger gefunden wurde, bleibt es
       bei einem Schwebezustand.
       
       Schlaudraff führt Gespräche mit aktuellen Spielern und potenziellen
       Neuzugängen. Es dürfte eine undankbare Aufgabe sein, eine Mannschaft mit
       Überzeugungskraft zusammenzustellen, solange die wichtigsten Personalien
       nicht geklärt sind. „Wir sind offen für einen Neuanfang“, sagt 96-Boss
       Kind. „Wie der sich darstellen wird, kann ich nicht beantworten.“
       
       Stürmer Niclas Füllkrug wechselt zu Werder Bremen. Torhüter Michael Esser
       ist stark umworben. Dribbelkünstler Ihlas Bebou wird Hannover 96 aller
       Voraussicht nach verlassen. Und der Großteil der bisherigen Mannschaft ist
       entweder zu teuer oder zu schlecht. Die Gemengelage bei dem innerlich
       zerstrittenen Verein ist gefährlich. Denn an den grundlegend verschiedenen
       Meinungen über die künftige Ausrichtung von Hannover 96 ändert der Abstieg
       nichts.
       
       Kind ist als Präsident abgetreten, macht aber in der Rolle des
       Hauptgesellschafters und Entscheiders für den Profibereich weiter. Immerhin
       führt er den Dialog mit seiner Opposition, die den Aufsichtsrat des
       Stammvereins dominiert.
       
       Ein direkter Wiederaufstieg in die 1. Liga ist ein teures Projekt. Kind
       zufolge hat Hannover 96 in den vergangenen beiden Spielzeiten ein Minus von
       mehr als 35 Millionen Euro eingespielt. Die Lizenz für die 2. Bundesliga
       bekommt der Verein nur unter Auflagen.
       
       ## Kind immer noch angriffslustig
       
       An der Angriffslust von Kind hat das alles wenig geändert. Er will in der
       Verantwortung bleiben und die Dinge nach seinem Gusto dirigieren. „Jetzt
       das sinkende Schiff zu verlassen, ist für mich keine Alternative“, sagt der
       75 Jahre alte Unternehmer.
       
       An seiner Seite befindet sich mit dem Milliardär Dirk Rossmann ein
       Hauptgesellschafter, der dem NDR erklärt hat, wer bei Hannover 96 künftig
       das Sagen haben sollte. Seinen Worten war zu entnehmen, dass die Geldseite
       weiterhin nicht möchte, dass die Vereins- und Fanseite bei wesentlichen
       Entscheidungen mitreden darf. Wie es auf dieser Basis gelingen soll,
       konstruktiv die Zukunft von Hannover 96 zu planen, bleibt fraglich.
       
       12 May 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Otto
       
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