# taz.de -- Gedenkstätte für Hrant Dink in Istanbul: Erinnerung trifft Hoffnung
       
       > Die Gedenkstätte für den ermordeten armenischen Journalisten ist der
       > erste permanente Erinnerungsort an den armenischen Genozid in der Türkei.
       
 (IMG) Bild: Rakel Dink bei der Gedenkveranstaltung zum neunten Todestag von Hrant Dink im Jahr 2016
       
       „Wir wollen an diesem Ort nicht nur die Erinnerung an meinen ermordeten
       Mann Hrant Dink bewahren, sondern gleichzeitig einen Ort der Begegnung und
       der Hoffnung auf eine bessere Zukunft schaffen“, sagte Rakel Dink, die
       Witwe von Hrant, während der Eröffnung einer Gedenkstätte für den
       ermordeten Journalisten am Montag. Zwölf Jahre nach der Ermordung von Hrant
       Dink hat die gleichnamige Stiftung der Öffentlichkeit eine Gedenkstätte
       vorgestellt, die bislang in der Türkei ohne Beispiel ist.
       
       Der Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich vor nunmehr 104 Jahren
       wird von staatlicher Seite immer noch bestritten. Stellvertretend für das
       Gedenken an den Genozid hat die Hrant Dink-Stiftung dem bekanntesten
       armenischen Intellektuellen der türkischen Republik, der genau deshalb
       ermordet wurde, weil er das Schweigen über den Massenmord an den Armeniern
       nicht länger hinnehmen wollte, einen Erinnerungsraum gewidmet.
       
       Bereits Mitte der neunziger Jahre hatte Hrant Dink gemeinsam mit
       armenischen und türkischen Freunden die Wochenzeitung Agos gegründet, die
       sowohl in Türkisch als auch Armenisch erschien und damit den Anspruch
       anmeldete, aus armenischer Perspektive in der öffentlichen Debatte der
       Türkei mitzumischen. Hrant Dink als Chefredakteur war mit Agos auch
       deswegen erfolgreich, weil er zuerst einmal für einen Dialog warb, sich
       dafür einsetzte, miteinander zu reden, bevor über Schuld und Schuldige
       gesprochen wurde. Nicht zuletzt wegen des großen Echos, das Agos erzielte,
       wurde in den 2000er Jahren in der Türkei so offen über den Genozid
       diskutiert wie nie zuvor in der Republikgeschichte.
       
       ## Die Grenzöffnung war ein Traum von Hrant Dink
       
       Weil das den Nationalisten in allen politischen Lagern des Landes missfiel,
       wurde der fanatisierte Jugendliche Ogün Samast aus der Schwarzmeerstadt
       Trabzon nach Istanbul geschickt, um Hrant Dink zu ermorden. Während Samast
       festgenommen und verurteilt wurde, blieben die eigentlich Verantwortlichen
       in der Polizei, der Gendarmerie und in der Politik bis heute weitgehend im
       Dunkeln.
       
       Hrant Dink wurde genau vor dem Haus, in dem sich damals die Redaktionsräume
       von Agos befanden, ermordet. Die Hrant Dink-Stiftung hat diese Räume jetzt
       wieder angemietet und in eine Gedenkstätte umgewandelt. Angefangen von der
       Hetze gegen Agos in den nationalistischen Medien bis hin zu den Dokumenten
       über die jahrelangen Prozesse ist dort alles einzusehen und
       nachzuvollziehen.
       
       Aber auch hoffnungsvolle Entwicklungen sind dokumentiert. Ein armenisches
       Waisenhaus im Istanbuler Vorort Tuzla, Camp Armen, in dem Hrant Dink groß
       geworden war und das den Armeniern vor Jahrzehnten abgenommen wurde, ist
       nach einer erfolgreichen Kampagne dem armenischen Patriarchat wieder
       zurückerstattet worden und soll nun neu aufgebaut werden. In den Räumen der
       Gedenkstätte will die Stiftung Workshops für türkische und armenische
       Jugendliche anbieten, bei denen über eine gemeinsame Zukunft nachgedacht
       werden soll. Die Öffnung der Grenze zwischen der Türkei und Armenien war
       immer ein Traum von Hrant Dink.
       
       Ein deutsches Künstlerduo hat dieser Entwicklung schon einmal vorgegriffen
       und Messingtafeln hergestellt, auf denen einmal „Armenische Botschaft“ in
       der Türkei und „Türkische Botschaft“ in Armenien steht. Rakel Dink hofft,
       dass solche Plaketten an den entsprechenden Botschaften bald tatsächlich
       Realität werden. „Die Hoffnung auf eine Verständigung zwischen der Türkei
       und Armenien ist unsere größte Motivation“, sagte eine Mitarbeiterin der
       Stiftung.
       
       23 Apr 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jürgen Gottschlich
       
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