# taz.de -- Papst geht gegen Missbrauch vor: Urbi et Orbi bleiben ohne Schutz
       
       > Ein Erlass soll Minderjährige besser schützen. Auch ein
       > Missbrauchsbeauftragter wird eingesetzt. Allerdings nur im Vatikan, wo es
       > kaum Kinder gibt.
       
 (IMG) Bild: Geht streng gegen Missbrauch vor, aber nur im Vatikan: Papst Franziskus
       
       Rom taz | Greift der Papst jetzt durch? Einen Monat nach dem
       Missbrauchsgipfel im Vatikan meldet sich [1][Franziskus] mit einem Erlass
       zu Wort, der in Zukunft die rückhaltlose Aufklärung und Bestrafung
       sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen sicherstellen soll. Wenigstens im
       Vatikanstaat selbst soll, darf man dem am Freitag bekannt gewordenen
       Apostolischen Schreiben „Zum Schutz der Minderjährigen und der verwundbaren
       Personen“ glauben, in Zukunft der Vertuschung und dem Schutz des Täter auf
       Kosten der Opfer endgültig ein Ende gesetzt werden.
       
       An erster Stelle gehe es darum, „jeglicher Form der Gewalt oder des
       physischen oder psychischen Missbrauchs“ vorzubeugen, verfügt das Oberhaupt
       der [2][Katholischen Kirche]. Zugleich hält er fest, dass alle Personen,
       die Kenntnis von Missbrauchsfällen erhalten, verpflichtet sind, diese den
       Justizbehörden mitzuteilen. Ausgenommen ist aber die Kenntnis von Fällen,
       die unter das Beichtgeheimnis fällt. Ebenso bestehe die Pflicht, sämtliche
       Fälle „effizient im Einklang mit den Gesetzen zu verfolgen“. Zur
       Strafverfolgung bedarf es nicht der Anzeige des Opfers: Die
       Vatikanstaatsanwälte müssen von sich aus tätig werden, sobald sie Kenntnis
       von einem Missbrauchsdelikt haben.
       
       Außerdem ordnet Franziskus an, dass die Opfer sowie ihre
       Familienangehörigen Unterstützung durch die Kirche erfahren; hierzu zählt
       auch „medizinischer, psychologischer und juristischer Beistand“.
       
       Präzise sind auch die Handlungsanweisungen für Priester und andere
       kirchliche Mitarbeiter im Vatikan. So wird ihnen „strengstens untersagt“,
       eine besondere Beziehung zu einem einzelnen Minderjährigen aufzubauen. Auch
       dürfen die Priester die Kleinen nicht beschenken oder dazu auffordern, ein
       Geheimnis für sich zu behalten. Im Beisein von Minderjährigen haben sie
       zudem immer für Dritte sichtbar zu sein. Ein Beauftragter für den Schutz
       von Minderjährigen soll die Einhaltung dieser Regeln überwachen und als
       Ansprechpartner für Opfer zur Verfügung stehen. Kurse sollen das Personal
       der Kurie für den richtigen Umgang mit Minderjährigen sensibilisieren.
       
       ## Ortskirchen weltweit sind nicht gebunden
       
       Einigermaßen beschränkt ist aber die Reichweite der vom Papst angeordneten
       neuen Maßnahmen. Sie betreffen allein den Kirchenstaat, der gerade mal 800
       Staatsbürger zählt – zu denen kaum Minderjährige gehören. Unter den Schutz
       der päpstlichen Normen sollen aber auch Kinder und Jugendliche fallen, die
       zwar keine Vatikanstaatsangehörigen sind, aber auf dessen Territorium zum
       Beispiel in Chören aktiv sind.
       
       So streng, wenigstens auf dem Papier, das Vorgehen im Vatikan sein soll, so
       wenig sind die weltweit existierenden Ortskirchen – in deren Pfarreien,
       Schulen oder Heimen das Gros der Missbrauchsfälle erfolgte und erfolgt –
       durch diese Normen gebunden. Es wird sich erst noch zeigen müssen, wie weit
       sie willens sind, dem Vatikanstaat nachzueifern.
       
       29 Mar 2019
       
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