# taz.de -- Sexismus bei Flensburger Handballern: Wischer als Feigenblatt
       
       > Bei den Spielen der SG Flensburg-Handewitt wischen Frauen in knappen
       > Outfits. Nach Sexismus-Kritik sucht Sponsor Orion nun auch Männer für den
       > Job.
       
 (IMG) Bild: Sorgen für Kritik: Knapp bekleidete Wischerinnen in der Halle der SG Flensburg-Handewitt
       
       Hamburg taz | Wenn in der Heimspielstätte des Handball-Bundesligisten SG
       Flensburg-Handewitt Schweiß den Boden bedeckt, wird gewischt. Zu groß ist
       das Verletzungsrisiko. Das klingt nach Alltag im Handball, die
       Verantwortlichen in der Flens-Arena werden dafür aber vermehrt gerügt. Und
       zwar für die Orion-Werbung auf den Röcken und bauchfreien Oberteilen der
       ausschließlich weiblichen Wischerinnen.
       
       Das Erotik-Unternehmen aus Flensburg [1][sponsort] die Wischerinnen der SG
       seit über zehn Jahren. Beworben werden die Frauen mit Sprüchen wie: „Je
       heißer der Job, umso knapper die Dienstkleidung. Wenn’s in der Hölle Nord
       brodelt, wischen die Wischerinnen der SG Flensburg-Handewitt in frechen
       Röcken und engen Shirts.“ Es hagelt Sexismus-Vorwürfe.
       
       Doch nun sucht Orion auch [2][„Wischerboys“]. „Wir versuchen nicht zum
       ersten Mal, auch Männer für den Job zu gewinnen“, sagt Susanne Gahr,
       Pressesprecherin von Orion. Bisher sei die Resonanz verhalten. In Reaktion
       auf einen kritischen Beitrag des [3][ZDF] habe das Unternehmen das Thema
       aber nun wieder aufgegriffen, erklärt Gahr. „Wir haben dieses Mal zumindest
       eine Handvoll Bewerber.“
       
       Die Sexismus-Vorwürfe versteht weder Orion noch der Handballverein. „Wir
       stehen voll und ganz hinter unseren Wischerinnen“, erklärt
       SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. „Eine derartige Sexismus-Debatte
       empfinden wir als diskriminierend den Wischerinnen gegenüber, die mit
       Herzblut jedes Handballspiel der SG verfolgen.“ Der Verein stehe für
       Toleranz, Vielfalt und Gleichberechtigung. „Dazu gehören auch unsere sehr
       selbstbewussten und selbstbestimmten Wischerinnen“, sagt Schmäschke.
       
       In einer [4][Presseerklärung] von Orion heißt es: „Da kriegen sportliche
       Höhepunkte doch gleich eine gänzlich neue Bedeutung.“ „Klar ist das
       sexistisch“, meint Nils Pickert, Chefredakteur der Protestorganisation
       gegen Sexismus [5][Pinkstinks]. „So etwas stellt die sexuelle Verfügbarkeit
       als ausschließlichen Wert von Frauen dar.“
       
       Susanne Gahr weist die Kritik zurück. „Das würde nämlich implizieren, dass
       wir die Formulierungen im Zusammenhang mit männlichen Wischern nicht nutzen
       würden.“ Das würde sie aber weitgehend tun, kündigt sie an. Die Kleidung
       der Frauen werde im Übrigen immer gemeinsam ausgesucht. „Die relativ kurzen
       Oberteile waren auch explizit von den Wischerinnen gefragt“, erinnert sich
       Gahr.
       
       Wenn tatsächlich bald Männer zum Team der Wischer*innen gehören, fällt für
       Pickert das Kriterium für Sexismus, die Diskriminierung aufgrund des
       Geschlechts, weg. Sollte die Werbestrategie für ein geschlechtergemischtes
       Team der jetzigen ähneln, wäre diese ebenso nicht mehr sexistisch – aber
       stark sexualisierend. „Man kann sich dann fragen, ob das sinnvoll ist oder
       geschmacklos“, sagt er.
       
       ## „Plumpe Reaktion“
       
       Dass Orion mit seinem jüngsten Suchaufruf nun der Kritik begegnet, hält
       Pickert für eine „eher plumpe Reaktion“. Es passiere häufig, dass auf
       Sexismus-Vorwürfe reagiert werde, indem das Gleiche dann auch mit Männern
       gemacht wird. „Das hat nichts mit Fortschritt zu tun, und schon gar nicht
       mit Antisexismus“, so Pickert. Es gehe allein um Schadensbegrenzung.
       
       Verena Balve, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Flensburg, übt ebenso
       Kritik an der Inszenierung der Wischerinnen. „Sie bedienen
       Rollenstereotype, in denen die Frau auf eine niedere Dienstleistung
       reduziert und als Erotik-Objekt dargestellt wird.“ Die Kombination aus
       knappen Outfit und Bodenwischen verfestige ein einseitiges Frauenbild,
       kritisiert Balve. Sie würde männliche Wischer daher begrüßen, ebenso wie
       eine größere Vielfalt bei Alter, Herkunft und Aussehen.
       
       In anderen Bundesliga-Clubs wischen längst Männer und Frauen – in ganz
       normalen Sportklamotten.
       
       25 Mar 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.orion.de/orion-gruppe/knappe-outfits-fuer-die-wischis-der-sg-flensburg-handewitt/
 (DIR) [2] https://bit.ly/2Jx5Ysa
 (DIR) [3] https://www.zdf.de/nachrichten/drehscheibe/sexismus-debatte-um-flensburgs-wischer-girls-100.htm
 (DIR) [4] https://www.orion.de/orion-gruppe/das-rockt-neue-dienstkleidung-fuer-einen-der-heissesten-nebenjobs/
 (DIR) [5] https://pinkstinks.de/die-geschichte-der-wischer-girls/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alina Götz
       
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