# taz.de -- Filmempfehlung für Berlin: Schillernd und rätselhaft
       
       > Ein Mann mit vielen Namen: Das Lichtblick-Kino widmet dem mysteriösen
       > Schriftsteller B. Traven zu seinem 50. Todestag eine kleine Filmreihe.
       
 (IMG) Bild: Ret Marut alias B. Traven alias Otto Feige? Polizeifoto Ret Maruts, London, 1923
       
       Die filmreifste Geschichte, die der Schriftsteller B. Traven je entworfen
       hat, ist sicherlich sein eigenes Leben. Der 1882 geborene
       Maschinenschlosser Hermann Albert Otto Max Feige aus dem damaligen
       Brandenburg verwandelt sich in einen aus San Francisco stammenden
       anarchistischen Schauspieler mit dem Namen Red Murat, der an der Errichtung
       der Münchner Räterepublik am Ende des Ersten Weltkriegs beteiligt war. Von
       der Polizei gesucht, flüchtet Otto Feige alias Red Murat über Umwege nach
       Mexiko. Dort wird er zu einem der erfolgreichsten Schriftsteller des 20.
       Jahrhunderts.
       
       Klingt aberwitzig, scheint aber die Wahrheit zu sein. Die freilich erst
       nach dem Tod B. Travens am 26. März 1969 zutage kam. Als er noch lebte,
       inszenierte er sich lieber als Phantom und erfand sich eine eigene
       Identität. Goldsucher, Baumwollpflücker, Schiffsheizer, Ölbohrer, Bäcker
       und noch einiges mehr sei er einst gewesen, behauptete er. Und Amerikaner
       sei er, nicht Deutscher.
       
       Zu Gesicht bekommen sollte ihn möglichst niemand, Briefe und Manuskripte an
       seine Verleger unterschrieb er stets mit der Schreibmaschine, nie
       handschriftlich. Um Spuren zu verwischen und falsche Fährten zu legen,
       erfand er gar Figuren wie den Chicagoer Ingenieur Traven Torsvan und den
       Übersetzer Hal Croves, die auch in der Öffentlichkeit auftraten. Inzwischen
       ist man sich ziemlich sicher: Torsvan und Croves waren niemand anders als
       B. Traven selbst.
       
       ## Ein deutscher Prinz?
       
       Der Schriftsteller führte zu Lebzeiten alle an der Nase herum. Seinem
       Erfolg schadete das bestimmt nicht. Alle wollten wissen, wer der Mann in
       Wirklichkeit ist. Der Präsident von Mexiko? Jack London? Ein deutscher
       Prinz? In solche Richtungen wurde spekuliert. Eine perfekte PR für B.
       Traven.
       
       Bei solch einer schillernden Biographie voller Rätsel ist es kein Wunder,
       dass das Lichtblick-Kino bei seiner kleinen Filmreihe „[1][B. Traven – zum
       50. Todestag“], die vom 23. März bis zum 3. April läuft, gleich mit zwei
       Dokumentationen über B. Traven aufwartet. Einmal wird „Im Busch von Mexiko
       – Das Rätsel B. Traven“ von Jürgen Goslar gezeigt. Der Film ist von 1967,
       was deswegen so interessant ist, weil zu diesem Zeitpunkt dieses Rätsel B.
       Traven nicht vollständig zu knacken war.
       
       Entscheidende Hinweise zur Lösung lagen damals einfach noch nicht vor.
       Dennoch bewegten sich die Rechercheure oft genug auf den richtigen Spuren.
       Die ebenfalls gezeigte französische Fernsehdokumentation „Flüchtig – das
       rätselhafte Leben des B. Traven“ von Xavier Villetard dagegen wurde erst
       vor sieben Jahren gedreht und ist damit einigermaßen auf dem aktuellen
       Stand der B.-Traven-Forschung.
       
       Aber B. Traven hat es nicht nur vermocht, sein eigenes Leben spannend zu
       inszenieren, auch seine Bücher waren aufregend und schnell auch erfolgreich
       genug, dass sich Hollywood für sie interessierte. 1948 machte John Huston
       aus B. Travens „Der Schatz der Sierra Madre“ seinen gleichnamigen
       Spielfilm mit Humphrey Bogart in einer der Hauptrollen.
       
       Der Film ist eine für damalige Hollywood-Verhältnisse äußerst gnadenlose
       Parabel über die Gier des Menschen, an der dieser zugrunde geht. Drei
       Goldsucher machen sich auf, um in Mexikos Sierra Madre ihr Glück zu finden.
       Die Umstände sind äußerst widrig, aber am Ende sind die drei sich selbst
       die größten Feinde und das Glück deswegen flüchtig.
       
       Staatenloser Matrose 
       
       Der Film war damals ein großer Erfolg, der B. Travens Ruhm weiter mehrte
       und gilt heute zu Recht als Klassiker, der neben drei weiteren B.
       Traven-Verfilmungen im Lichtblick-Kino gezeigt wird. Fun-Fact: Hal Croves,
       von dem man heute annimmt, dass er B. Traven war, beteiligte sich als
       technischer Berater an den Dreharbeiten von „Der Schatz der Sierra
       Madre“.
       
       Der bekannteste Roman B. Travens bis heute ist „Das Totenschiff“, ein Buch
       mit politischer Sprengkraft: Ein als staatenlos geltender Matrose heuert
       auf einem Schiff an, einem sogenannten Seelenverkäufer. Die Besatzung ist
       dem Tode geweiht, da es die Bestimmung des Schiffes ist unterzugehen. Sein
       Eigner will die Versicherungsprämie kassieren.
       
       Ausbeuter und Ausgebeutete – aus B. Travens Kapitalismuskritik, verpackt in
       einen Abenteuerroman, wurde 1959 der deutsch-mexikanische Spielfilm „Das
       Totenschiff“ von Georg Tressler mit Horst Buchholz in der Haupt- und Mario
       Adorf in einer Nebenrolle.
       
       Für das Wirtschaftswunder-Deutschland mit seiner Vorliebe für Heimatfilme
       ist der Film äußerst düster geraten, und den damaligen Teenie-Star Buchholz
       als verdreckten Kohleschipper zu sehen war für das Publikum sicherlich auch
       gewöhnungsbedürftig. Fun-Fact hier: Auf seiner Flucht aus Deutschland, die
       ihn unter Umwegen schließlich nach Mexiko führte, hatte B. Traven selbst
       auf einem solchen „Seelenverkäufer“ angeheuert. Zumindest geht man davon
       aus. Ganz sicher kann man sich bei B. Traven ja nie sein.
       
       Dieser Text erscheint im taz Plan. Mehr Kultur für Berlin und Brandenburg
       immer Donnerstags in der Printausgabe der taz
       
       21 Mar 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.lichtblick-kino.org/filmreihe/2019/19_03_B_Traven
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Hartmann
       
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