# taz.de -- Konflikt beim Bio-Großhändler: Dennree hat bald ersten Betriebsrat
       
       > Die Beschäftigten des Bio-Discounters wollen am Standort Töpen eine
       > Interessenvertretung wählen. Aber einfach ist das nicht.
       
 (IMG) Bild: Die Dennree-Gruppe beschäftigt rund 5.900 Mitarbeitende, auch bei Denn’s Biomarkt
       
       War alles nur ein Missverständnis, oder hat der öffentliche Druck etwas
       bewirkt? Die Antwort bleibt offen. Aber der Wahl eines Betriebsrats beim
       Bio-Großhändler Dennree steht anscheinend nichts mehr im Wege. Am
       Donnerstag habe die Geschäftsleitung endlich zugestimmt, die Kosten für die
       gesetzlich notwendige Schulung des Wahlvorstands zu übernehmen. Die
       schriftliche Bestätigung sei am Freitag eingegangen. Das sagte Paul
       Lehmann, der im Bezirk Oberfranken-Hof der Gewerkschaft Verdi für die
       Fachgruppe Handel verantwortlich ist, der taz.
       
       Es wäre der erste Betriebsrat bei Dennree. Beim Wettbewerber Alnatura
       streiten Verdi und Geschäftsleitung seit Jahren über die Einrichtung eines
       zweiten Betriebsrats. Ein erster existiert in Freiburg. Ein zweiter, den
       die Beschäftigten in einer Bremer Filiale anstreben, würde es ermöglichen,
       auch einen Gesamtbetriebsrat zu wählen, der für das ganze Unternehmen
       zuständig wäre.
       
       Dennree hat gerade den 300. Denn’s Biomarkt eröffnet und beliefert nach
       eigenen Angaben mehr als 1.400 Fachmärkte in Deutschland und Österreich.
       Die Dennree-Gruppe beschäftigt zurzeit rund 5.900 Mitarbeitende, 400 mehr
       als im Vorjahr. [1][Ihr Umsatz stieg 2018 um fast 6 Prozent auf 1,025
       Milliarden Euro,] obwohl mit den großen Discountern Aldi, Lidl und Netto
       zunehmend mehr Konkurrenz auf den Bio-Lebensmittelmarkt drängt.
       
       Am Lagerstandort Töpen im Landkreis Hof wollen Beschäftigte seit Monaten
       einen Betriebsrat gründen. Die Initiative sei von Mitarbeitenden
       ausgegangen, die Mitglied in der Gewerkschaft sind und Verdi gebeten
       hätten, sie zu unterstützen, sagte Lehmann.
       
       Danach habe die Geschäftsleitung ein Treffen mit Verdi verzögert. In der
       Zwischenzeit hätten drei andere, der Gewerkschaft nicht bekannte
       Beschäftigte zu einer Betriebsversammlung eingeladen. Der Verdacht liege
       nahe, dass diese sich mit der Geschäftsleitung abgestimmt hätten. Die
       Belegschaft zu spalten ist bei Arbeitgebern ein beliebter Ansatz, um die
       Gewerkschaften aus den Betrieben rauszuhalten. Weitere Probleme habe es mit
       der Übernahme der Kosten für die Schulung des Wahlvorstands gegeben. Die
       Geschäftsleitung habe nur ein nichtgewerkschaftliches Seminar bezahlen
       wollen. Verdi hatte sich daraufhin an [2][lokale Medien gewandt, die Anfang
       der Woche auch über den Konflikt berichteten].
       
       Dennree antwortet nur schriftlich auf Medienanfragen und erklärte auf
       Nachfrage der taz: „Die Initiative von Kollegen zur Gründung eines
       Betriebsrats begrüßen und unterstützen wir ausdrücklich.“ Uwe Zimmermann,
       Leiter der Personalabteilung, schrieb: „Wir bei Dennree sehen keinen
       Konflikt im Hinblick auf die Gründung eines Betriebsrates.“ Das „passende
       Seminar“ sei seiner Kenntnis nach inzwischen gefunden. Man sei
       zuversichtlich, dass der Betriebsrat „künftig eine wichtige Rolle in
       unserem wachsenden Unternehmen übernehmen wird“.
       
       Ob das die Stimmung bei Dennree spiegelt, ist unklar. Am Freitag klingelte
       bei Lehmann ununterbrochen das Telefon. Lokale Medien wollten wissen, was
       dran sei, dass Dennree-Mitarbeitende sich über Tumulte auf der
       Betriebsversammlung beschwerten. „Wir reagieren erst einmal entspannt“,
       sagte Lehmann. „Wir wollen jetzt einen Betriebsrat wählen lassen, und dann
       sehen wir weiter.“
       
       Damit könnte bei dem Bio-Großhändler nun eine neue Ära beginnen, dem vor
       einigen Jahren Dumpinglöhne und Arbeitszeitverstöße vorgeworfen worden
       waren. Erklärtes Ziel der Wahlunterstützer_innen ist eine „höhere
       Wertschätzung der Beschäftigten“ – und vor allem eine Tarifbindung.
       Alnatura hat die Gehälter bereits 2010 an den Tarif angeglichen.
       
       10 Mar 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.dennree-biohandelshaus.de/unternehmen/presse-news/detailseite/artikel/dennree-gruppe-baut-marktposition-weiter-aus.html
 (DIR) [2] https://www.nordbayerischer-kurier.de/inhalt.betriebsrat-verhindert-wirbel-um-bio-grosshaendler-denree.40ffbb53-5884-4750-8858-d8dee93bf452.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Beate Willms
       
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