# taz.de -- Wahlkampf in Thailand: Rückschlag für die Demokratie
       
       > Die Partei Thai Raksa Chart wird verboten. Sie hatte Prinzessin
       > Ubolratana Rajakanya als Kandidatin für den Posten des Premiers
       > nomminiert.
       
 (IMG) Bild: Prinzessin Ubolratana Rajakanya bei einer Pressekonferenz 2008 in Cannes
       
       Bangkok taz | Zweieinhalb Wochen vor der ersten Wahl seit dem Putsch vor
       fünf Jahren hat Thailands Rückkehr zur Demokratie einen schweren Rückschlag
       erlitten. Das Verfassungsgericht folgte am Donnerstag dem Antrag der
       Wahlkommission, die Thai Raksa Chart (TRC) Partei wegen ihrer Nominierung
       von Prinzessin Ubolratana Rajakanya als Kandidatin für das Amt der
       Regierungschefin zu verbieten. TRC ist eine der Parteien, die den in
       Thailands Elite verhassten und vom Militär weggeputschten Ex-Premiers
       Thaksin Shinawatra und seiner Schwester Yingluck nahestehen.
       
       Viele Mädchen träumen vom glamourösen Leben einer Prinzessin. Schöne
       Kleider, schöne Juwelen, schöne Partys – das sind die rosaroten Klischees
       des Prinzessinnenwesens. Zudem können die adeligen Damen machen, was sie
       wollen. Letzteres ist definitiv ein Luftschloss, dessen Zerplatzen derzeit
       das Königreich Thailand politisch durcheinanderrüttelt.
       
       Am 8. Februar dieses Jahres riss die TRC mit der Nominierung von Prinzessin
       Ubolratana Rajakanya als Kandidatin für das Amt des Premierministers ihre
       Landsleute aus der politischen Lethargie, die sich in der fast fünf Jahre
       währenden Militärdiktatur breit gemacht hat.
       
       Der Wahlkampfschlager „Prinzessin versus Juntachef General Prayut
       Chan-o-cha“ als Premierministerkandidat der neuen Militärpartei Phalang
       Pracharat war indes sehr kurzlebig. Nur Stunden nach dem Politcoup der TRC
       verbot König Maha Vajiralongkorn von seiner Wahlheimat Bayern aus per
       Dekret seiner 67 Jahre Schwester [1][den Ausflug in die Politik] als
       „Verstoß gegen die Verfassung“.
       
       ## Niederungen der Politik
       
       Tatsächlich ist Thailands Royal Family zur politischen Neutralität
       verpflichtet und Gesetze verbieten es Politikern, die Royals in die
       Niederungen der Politik zu ziehen. Nur: Ubolratana Rajakanya heiratete 1972
       den Amerikaner Peter Jensen. Sie verzichtete auf ihren königlichen Status
       und ist daher kein Mitglied der engeren Königsfamilie mehr.
       
       Sie ist trotzdem weiterhin im Volk beliebt, weil sie eben nicht nur
       Prinzessin ist, sondern mit einem Bachelor-Abschluss in Mathematik am
       renommierten Massachusetts Institute of Technology und einem Master in
       Public Health von der Universität in Kalifornien auch etwas richtiges
       gelernt hat. In zwei Filmen entzückte die Mutter von drei Kindern die Thais
       zudem als Schauspielerin und rührte 2004 ihre Landsleute zu Tränen, als ihr
       Sohn Khun Bhumi Jensen beim Urlaub in Khao Lak durch den Tsunami ums Leben
       kam.
       
       In Bangkok überraschte das Verbot der TRC niemanden. „Thailand hat kein
       wirklich unabhängiges Rechtssystem“, klagt die Demokratieaktivistin Nuttaa
       Mahattana gegenüber der taz. Verfassungsrechtler betrachten den ganzen
       Vorgang mit großer Sorge. „Ein königliches Dekret hat keine Gesetzeskraft“,
       sagt Juraprofessor Sawatree Suksi von der Thammasat Universität. „Wenn sich
       jetzt das Verfassungsgericht auf das Königsdekret bezieht, hat das
       Auswirkungen auf unser Rechtssystem.“
       
       Die von der Junta maßgeschneiderte neue Verfassung garantiert dem Militär
       auch nach der Wahl eine entscheidende politische Rolle. Das Verbot der TRC
       beweist nach Ansicht eines westlichen Diplomaten allerdings, dass die Junta
       in Panik ist und er zieht einen sportlichen Vergleich zu Marathon-Rennen:
       „Sie ist mit 10 bis 15 Kilometer Vorsprung gestartet, hat aber nichts
       daraus gemacht.“
       
       ## Klare Inhalte
       
       Ohne Promitamtam, dafür mit klaren Inhalten, mischt die neue Partei „Future
       Forward“ des 41 Jahre alten Milliardärs Thanathorn Juangroongruangkit die
       Politik auf. Keine andere Partei fordert so kompromisslos den Rückzug des
       Militärs aus der Politik und stößt damit bei vielen Thais auf Resonanz.
       Future Forward werden gute Chancen eingeräumt, nach der Wahl die Rolle des
       Züngleins an der Waage bei Koalitionsverhandlungen zu spielen.
       
       Der charismatische und gut aussehende Thanathorn hat die blassen Generäle
       so sehr das Fürchten gelernt, dass sie auch ihn und seine Partei wegen
       Petitessen vor Gericht zerren. Aber nicht vor der Wahl am 24. März. Der
       Prozess findet drei Tage danach statt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
       
       7 Mar 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nach-Rueffel-vom-Koenig-von-Thailand/!5571735
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Harald Bach
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Thailand
 (DIR) Wahlkampf
 (DIR) Königsfamilie
 (DIR) Junta
 (DIR) Thailand
 (DIR) Thailand
 (DIR) Thailand
 (DIR) Thailand
 (DIR) Thailand
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kommentar Wahlen in Thailand: Herbeigeputschte Demokratie
       
       Schon die Voraussetzungen für die erste Wahl in Thailand nach dem Putsch
       waren unfair. Eines zeigt sich auf jeden Fall: Das Land bleibt tief
       gespalten.
       
 (DIR) Parlamentswahl in Thailand: Hängepartie gewählt
       
       Bei den Parlamentswahlen noch kein Ergebnis: Die Junta-Partei soll zwar
       mehr Stimmen, die Opposition aber mehr Mandate geholt haben.
       
 (DIR) Thailands erste Wahl nach dem Putsch: Junta will sich Macht sichern
       
       Die Generäle feiern die Scheinwahl als Rückkehr zur Demokratie. Die
       Verfassung ermöglicht der Junta, auch bei einer Niederlage weiter zu
       regieren.
       
 (DIR) Nach Rüffel vom König von Thailand: Prinzessin zieht Kandidatur zurück
       
       Eigentlich wollte sie bei der Parlamentswahl um das Amt der
       Ministerpräsidentin kämpfen. Jetzt lässt Ubolratana doch die Finger davon.
       Sie bekam Ärger mit dem Bruder.
       
 (DIR) Parlamentswahl in Thailand: Prinzessin fordert Militärjunta heraus
       
       Bei der Parlamentswahl tritt die älteste Schwester des Königs als
       Spitzenkandidatin an – gegen den regierenden Junta-General.