# taz.de -- heute in hamburg: „Sie langweilen sich buchstäblich zu Tode“
Interview David Günther
taz: Herr Goldner, ist der Zoo ein Gefängnis für Tiere?
Colin Goldner: Ja, die Tiere werden dort für die Lebenszeit eingesperrt und
dessen beraubt, was sie und ihr Wesen ausmacht.
Woher wissen Sie, dass es den Tieren nicht gut geht?
Sie leiden unter der Beengtheit. Selbst das größte Gehege ist kleiner als
ihr natürlicher Lebensraum. Sie können sich nicht autonom und ihren
Bedürfnissen entsprechend bewegen. Ein Elefant läuft viele Kilometer in der
Natur. Im Gehege bewegt er sich ein paar Dutzend Meter. Darunter leidet er.
Wie ist es für Menschenaffen?
Sie verkümmern im Käfig. Menschenaffen sind kognitiv die höchststehenden
eingesperrten Wildtiere und haben auch psychische Leiden. Sie langweilen
sich buchstäblich zu Tode. Oft müssen sie mit Psychopharmaka behandelt
werden, um die beengten Verhältnisse überleben zu können.
Warum haben Zoos so viel Zulauf?
Sie sind besonders besucherfreundlich. Vor allem das Angebot für Kinder ist
groß. Es gibt große Spielplätze, damit sie sich wohl fühlen und Spaß haben.
Das Wohlbefinden der Tiere ist nachrangig. In vielen Zoos sind die
Unterhaltungsflächen größer als die Gehege der Tiere.
Warum wollen Menschen eingesperrte Tiere sehen?
Es ist eine Art Tradition. Meist gehen die Eltern mit ihren Kindern in den
Zoo, weil sie es von deren Eltern kennen. Das ist ein roter Faden der
Kleinkindpädagogik. In unserer Gesellschaft ist es verankert, dass man als
Kind in einem Zoo sein musste.
Denken Sie, dass die Gesellschaft die Probleme wahrnimmt?
Ja. Zoos stehen seit den 70er-Jahren unter massivem Rechtsfertigungsdruck.
In dem Jahrzehnt wurde die internationale Konvention zum Handel von wild
lebenden Tieren etabliert, der den Handel einschränkt.
Tragen die Zoos zum Artenschutz bei?
Nein. Zoos züchten den eigenen Bedarf nach. Seit der Konvention müssen sie
das tun. Außerdem sind Tierbabys ein großer Publikumsmagnet. Davon
abgesehen fungieren die Tiere auch als Tauschware. Beispielsweise bietet
ein Zoo dem anderen einen Affen, dafür kriegt er drei Löwen. Die
Auswilderungsprojekte, die in Richtung Artenschutz gehen könnten, sind
marginal und rechtfertigen nicht die Gefangenhaltung der vielen anderen.
15 Mar 2019
## AUTOREN
(DIR) David Günther
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