# taz.de -- Kontrastprogramm beim Abschied
       
       > Bei der WM-Abfahrt sind Lindsey Vonn und Aksel Lund Svindal, zwei
       > prägende Figuren des alpinen Skisports, zum letzten Mal am Start. Die
       > beiden könnten kaum unterschiedlicher sein
       
 (IMG) Bild: Stets im Rampenlicht: Lindsey Vonn hat viel Aufmerksamkeit auf sich und den Skisport gelenkt
       
       Aus AreElisabeth Schlammerl
       
       Lindsey Vonn nutzte die Gelegenheit noch einmal, die letzte als
       Skirennläuferin, um sich zur Schau zu stellen. Dabei war nicht immer alles
       lustig und schon gar nicht geschmackvoll, was die Amerikanerin in diesen
       Tagen in Are zeigte und von sich gab. Zugegeben, das Instagram-Video mit
       den Leckereien des amerikanischen Team-Kochs ließ einen das Wasser im Mund
       zusammenlaufen. Aber das Foto von ihrem Veilchen-Auge und den blauen
       Flecken der Mannschaftskollegin Laurenne Ross an einem intimen Körperteil
       waren fast ebenso peinlich wie die schlüpfrigen Andeutungen, die sie
       neulich ihrem Freund, dem Eishockey-Spieler P. K. Subban, während einer
       Pressekonferenz in Are zukommen ließ.
       
       Das Kontrastprogramm zur um Aufmerksamkeit heischenden Vonn ist Aksel Lund
       Svindal, der ebenfalls am Wochenende das letzte Skirennen bestreitet. Beide
       sind Olympiasieger, Weltmeister, Gesamtweltcupsieger, sie prägten den
       Weltcup in den vergangenen zehn Jahren, aber sie pflegten stets und sie
       pflegen auch jetzt am Ende einen sehr unterschiedlichen Umgang mit ihren
       Karrieren und der Konkurrenz. „Aksel hat seine Erfolge, aber es ist seine
       Persönlichkeit, die ihn zu einem der Größten macht“, sagte Teamkollege
       Kjetil Jansrud. Svindal kümmerte sich um die sozialen Medien zuletzt kaum,
       auch war sein Auftritt rund um den Super-G zurückhaltend, und das lag nicht
       an dem für ihn doch bescheidenen 16. Platz. Er betrachtete es eben als ganz
       normales Rennen und nicht als das vorletzte seiner Karriere und wirkte
       entsprechend fokussiert. Aber anders als Vonn am Sonntag gehört der
       Norweger einen Tag davor auch zu den Medaillenfavoriten bei seiner finalen
       Schussfahrt. Dass am Morgen des Super-G auf den Berg auf der anderen Seite
       des Sees in großen Buchstaben und gut sichtbar „Thank you, Aksel“
       projiziert wurde, war sicher nicht seine Idee.
       
       Für Lindsey Vonn hat dies niemand an den Berg projiziert. Es wäre sehr
       ungerecht, daraus zu schließen, es gäbe keine Dankbarkeit für das, was sie
       in den vergangenen 18 Jahren im Weltcup leistete. Die 34-Jährige hat mit
       ihren Erfolgen, aber auch ihrer extrovertierten Art das öffentliche
       Interesse am Frauen-Rennsport verstärkt – wenngleich eben oft auf Kosten
       anderer. Die eine oder andere Konkurrentin dürften deshalb Vonns Auftritte
       vor allem in letzter Zeit ziemlich genervt haben.
       
       Gut, von Teamkolleginnen, Trainer und Freunden gab es ein paar persönliche
       Botschaften, „wirklich herzerwärmend“, wie sie fand. „Das macht den
       Ruhestand einfacher.“ Und zum Abschluss erfüllt sich auch noch ihr großer
       Wunsch: Ingemar Stenmark reist nun doch schon am Sonntag zur Frauen-Abfahrt
       statt erst am Montag zum Legendenrennen an, um die Frau, die seiner
       Bestmarke von 86 Weltcup-Siegen so nahe gekommen ist wie bisher noch
       niemand, zu verabschieden. „Das ist eine Ehre für mich“, sagte Vonn im
       schwedischen Fernsehen. Wie zuletzt so oft wird sie es am Sonntag noch
       einmal schaffen, der Siegerin die Show zu stehlen.
       
       Svindal hingegen käme dies nie in den Sinn. Im norwegischen Team habe er
       früh Respekt gelernt – von seinen Vorbildern Kjetil André Aamodt und Lasse
       Kjus. Die beiden waren wie später Jansrud und Svindal Konkurrenten im
       Rennen, aber außerhalb gute Kumpel. „Du wirst als Person so, wie die Gruppe
       ist, mit der du dich umgibst“, sagte er. Der 36-Jährige hat sein Leben nach
       der Karriere gut vorbereitet, ist Teilhaber an mehreren Start-ups und hat
       ein paar Immobilien-Projekte. „Ich hoffe, dass ich ein bisschen etwas vom
       Skifahren gelernt habe und es bei anderen Dingen einbringen kann“, sagte
       er. Svindal ist mit sich, mit dem Karriereende, im Reinen. Vonn scheint
       immer noch damit zu hadern, dass ihr Körper und nicht ihr Kopf die
       Entscheidung getroffen hat. „Keine Ahnung“, sagt sie auf die Frage nach
       ihren Zukunftsplänen. „Aber ein Leben ohne schnelles Skifahren“, sagte sie,
       „ist kein schöner Gedanke.“
       
       9 Feb 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Elisabeth Schlammerl
       
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