# taz.de -- Kommentar Rückzug der USA aus Syrien: Geschenk für Erdoğan
       
       > Kurz vor Weihnachten beschließen die USA ihren Rückzug aus Syrien. Für
       > die Türkei ist das eine Einladung zum Einmarsch in die Kurdengebiete.
       
 (IMG) Bild: Mahnwache für einen türkischen Soldaten, getötet bei der Offensive im syrischen Afrin
       
       „Der IS ist besiegt, wir holen unsere Jungs aus Syrien nach Hause“,
       verkündete US-Präsident Donald Trump am Mittwochabend – und löste damit
       weltweit wütende Proteste, massive Befürchtungen und stille Genugtuung aus.
       Grundsätzlich ist es ja keine schlechte Nachricht, wenn ausländische
       Soldaten einen Kriegsschauplatz verlassen, doch Syrien ist etwas anderes
       als es früher Vietnam oder selbst der Irak waren. Der Krieg in Syrien ist
       damit nicht beendet, d[1][er bevorstehende Rückzug der US-Truppen] schafft
       lediglich Raum für andere Player auf dem für den gesamten Nahen Osten so
       wichtigen Kriegsschauplatz Syrien.
       
       Einer von denen, die jetzt gestärkt werden, ist der türkische Präsident
       Recep Tayyip Erdoğan. Auf seinen Befehl hin stehen türkische Truppen seit
       Tagen an der syrischen Grenze bereit, [2][um zum dritten Mal ins
       Nachbarland einzumarschieren]. Der Grund ist immer derselbe: Erdoğan will
       die syrisch-kurdische YPG-Miliz aus dem gesamten Gebiet entlang der
       türkischen Grenze vertreiben und dabei eine möglichst große Zahl kurdischer
       Kämpfer „neutralisieren“. Bislang standen ihm dabei die US-Truppen im Weg,
       weil die kurdischen YPG im Kampf gegen den IS [3][die wichtigsten
       Verbündeten der USA] sind. Nachdem der IS nach Trumps Meinung nun besiegt
       ist, kann man die Kurden fallen lassen, so denkt der US-Präsident.
       
       Für die Kurden wird damit eine lange gehegte Befürchtung wahr, während
       Erdoğan im Stillen jubelt. Die bevorstehenden Weihnachtstage bieten die
       perfekte Ablenkung für den türkischen Einmarsch. Mit dem Christkind kommen
       die Panzer. Während es selbst im Pentagon Stimmen gab, die forderten, die
       USA sollten sich für Gespräche zwischen der Türkei und den Kurden
       einsetzen, statt den Weg für einen neuen Krieg freizumachen, ist ihr
       Oberbefehlshaber der Meinung, darum sollen sich andere kümmern.
       
       Frohes Fest, Mr. Präsident.
       
       20 Dec 2018
       
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