# taz.de -- Kommentar Rede von Kim Jong Un: Die Warnung des Diktators
       
       > Die Neujahrsansprache des nordkoreanischen Diktators wird weltweit
       > interpretiert. Sie richtet sich aber in erster Linie ans eigene Volk.
       
 (IMG) Bild: Inhaltlich weder überraschend noch neu: die Neujahrsansprache von Kim Jong Un
       
       Stets wird die Neujahrsansprache des nordkoreanischen Machthabers bis auf
       ihre letzte Silbe von Journalisten, Politikern und Akademikern weltweit
       interpretiert. Dabei wird jedoch meist vergessen, dass sie vor allem und
       zuallererst an die eigene Bevölkerung gerichtet ist. Die Kernbotschaft lag
       eindeutig auf der Wirtschaftspolitik des Regimes – einem Thema, dem Kim
       Jong Un den Großteil seiner 31-minütigen Ansprache gewidmet hat.
       
       Im Detail sprach der 35-Jährige vom Ausbau der heimischen Leichtindustrie,
       der Einführung innovativer Managementmethoden und dem Wunsch, im Bereich
       der Landwirtschaft verstärkt wissenschaftliche Erkenntnisse einfließen zu
       lassen. Für ein Land, das noch vor wenigen Jahrzehnten hyperstalinistisch
       funktioniert hat; in dem es de facto weder Privatbesitz gab noch
       Geldwährung eine nennenswerte Rolle gespielt hat, ist das mehr als
       erstaunlich, dass dessen Staatsoberhaupt sich nicht nur explizit für
       Reformen ausspricht, sondern indirekt eigene Fehler bei der
       Wirtschaftspolitik zugibt.
       
       Für Schlagzeilen sorgt jedoch ein ganz anderer Aspekt von Kims Ansprache:
       Dass nämlich das nordkoreanische Regime bei der Annäherung mit den USA auch
       „einen anderen Weg“ einschlagen kann, sollte Washington bei den gemeinsamen
       Verhandlungen nicht sein Versprechen von Gegenmaßnahmen, wie etwa der
       Lockerung von Wirtschaftssanktionen, einhalten. Kim Jong Un hat sich zwar
       erneut für die atomare Abrüstung der Koreanischen Halbinsel ausgesprochen.
       Jedoch bedeutet dies keinesfalls die einseitige Abrüstung des
       [1][nordkoreanischen Nuklearprogramms], wie es US-Präsident Donald Trump
       der Öffentlichkeit verkauft hat.
       
       Eine Abrüstung der Koreanischen Halbinsel sieht de facto ebenfalls vor,
       dass die USA ihre Truppen aus Südkorea abziehen und keine Militärmanöver
       mit Nuklearbomben mehr abhalten. Inhaltlich ist dies für Beobachter des
       Regimes weder überraschend noch neu. Die diesjährige Neujahrsansprache war
       dafür in seinem Format neuartig.
       
       Ebenso adressierte Kim seine Rede zu Beginn auch an seine „[2][Landsleute
       aus Südkorea]“– denn auch dort wurden seine Worte, zeitgleich wie im
       nordkoreanischen Staatsfernsehen, übertragen.
       
       1 Jan 2019
       
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