# taz.de -- Nicola Glass über den Berlin-Besuch von Prayut Chan-o-cha: Aufwertung eines Putschisten
       
       Dass Deutschland Thailands Juntachef Prayut Chan-o-cha quasi auf Augenhöhe
       empfängt, ist eine Schande. Das Militärregime ist illegal an der Macht. Bis
       heute behauptet die Junta, sie habe mit dem Putsch vom 22. Mai 2014 die
       politischen Unruhen beenden wollen, welche die damalige Oppositionsbewegung
       unter Suthep Thaugsuban seit Spätherbst 2013 gegen die demokratisch
       gewählte Regierung angezettelt hatte. Stattdessen war das Militär, das sich
       damals als „Mediator“ und „Friedensstifter“ inszeniert hatte, zentraler
       Akteur der politischen Krise Thailands zwischen 2006 und 2014.
       
       Im Zuge des Putsches behaupteten die Militärs zudem, sie wollten das Land
       reformieren und die Korruption ausmerzen. Reformen à la Junta bedeuten
       allerdings nur eines: eine mittlerweile in Kraft getretene Verfassung, die
       die Herrschaft des Militärs auch in Zukunft zementieren soll.
       
       Zugleich sind Mitglieder des regierenden Nationalen Rats für Frieden und
       Ordnung, wie sich die Junta nennt, selbst wegen Korruption und
       Vetternwirtschaft in die Schlagzeilen geraten. Zusagen für Wahltermine hat
       die Junta bislang mehrfach gebrochen. Es kümmert sie nicht, dass die EU im
       Dezember 2017 durchblicken ließ, dass man die seit dem Putsch auf Eis
       gelegten Beziehungen neu knüpfen wolle, wenn es 2018 Wahlen geben werde.
       Dieser Termin ist schon lange vom Tisch, und fraglich bleibt, ob es bei der
       jüngsten Wahlzusage 2019 bleibt.
       
       Thailands Putschisten scheren sich erst dann um die Meinung des Auslands,
       wenn es ihnen politisch in den Kram passt. Indem die deutsche Regierung
       Diktator Prayut empfängt, wertet sie nicht nur einen Putschisten auf. Sie
       macht außerdem einen Mann salonfähig, der in seiner damaligen Eigenschaft
       als stellvertretender Armeechef im Frühjahr 2010 wesentlich
       mitverantwortlich war für die blutige Niederschlagung von Massenprotesten
       der Rothemden – mehrheitlich Anhänger von Ex-Premier Thaksin Shinawatra,
       der 2006 von der Armee gestürzt worden war.
       
       [1][ausland]
       
       29 Nov 2018
       
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