# taz.de -- heute in hamburg: „Ich wollte auf jeden Fall weitermachen“
       
       Interview Hannah Maatallaoui
       
       taz: Herr Lang, was haben Sie gefühlt, als Sie merkten, dass Ihre
       Sehfähigkeit eingeschränkt ist? 
       
       Anders Lang: Ich war erschrocken und wusste überhaupt nicht, was los ist.
       Ich bin aufgewacht, und es war komplett dunkel. Ich bin dann zum
       Waschbecken gegangen und dachte, ich könnte das wegspülen – ging aber
       nicht.
       
       Haben Sie kurz darüber nachgedacht, keine Filme mehr zu produzieren? 
       
       Nein. Ich wollte auf jeden Fall weitermachen, und das war auch der Grund,
       den Film „Blinde Flecken“ zu machen. Ich hab lange überlegt, ob ich das tun
       möchte. Ich wollte keine traurige Geschichte oder einen Opferfilm erzählen.
       Musste dann aber, nachdem ich die Protagonisten kennengelernt habe,
       feststellen: Ne, das ist auch gar nicht der Fall. Die haben alles etwas aus
       der Situation gemacht.
       
       Wie sind Sie auf die Protagonist*innen gekommen? 
       
       Ich hab damals ein Forum gegründet, als mir das passiert ist. Ich hab im
       Internet nichts dazu gefunden. Dann dachte ich: Okay, dann gründest du
       selber eins, um sich austauschen zu können. Dann kam ich als Administrator
       direkt an die Leute ran und hab gefragt, wer Lust hat mitzumachen.
       
       Was hat Sie an den Protagonist*innen besonders beeindruckt? 
       
       Die Lebensfreude letztendlich. Dass sich die Leute nicht aufgeben. Die
       Fantasie, wie alle versucht haben, aus dem, was sie verloren haben, wieder
       was Neues zu gestalten. Als Beispiel: Eine Frau hat sich, damit sie sich
       beim Spülen nicht immer an der Kante ihres Hängeschranks stößt, eine Feder
       daran gehängt. Bevor sie dagegen kommt, kitzelt sie die Feder.
       
       Werden im Film auch die Perspektiven der Sichtfelder beleuchtet? 
       
       Ja. Der Dreh lief so, dass es ganz normale Kameraaufnahmen waren bis auf
       die Fälle, in denen aus der subjektiven Sicht erzählt wurde. Da hab ich zum
       Beispiel eine Go-Pro verwendet. Zuerst war es ein ganz normales Bild, und
       wir haben dann in der Produktion die Sichtfeldeinschränkungen eingebaut.
       Das Leben zwischen „normal sehen“ und blind sein, ist kaum bekannt. Das
       Thema sollte mehr in die Öffentlichkeit getragen werden, denn meistens
       sieht man es den Leuten nicht an. Jedes Jahr kommen mindestens 10.000 neue
       Schlaganfälle dazu. Es ist spannend, wie die Leute damit umgehen, und auch
       interessant, wie dann manchmal kommt: „Oh, meine Oma, die hat ja auch so
       was.“
       
       14 Nov 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hannah Maatallaoui
       
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