# taz.de -- heute in hamburg: „Es gibt keine richtige oder falsche Kultur“
       
       Interview Hannah Maatallaoui
       
       taz: Herr Al Zaher, was bedeutet für Sie Toleranz? 
       
       Hussam Al Zaher: Für mich ist Toleranz, dass ich die anderen Menschen
       akzeptiere. Ich versuche mit ihnen zu diskutieren oder zu reden, egal ob
       ich die andere Meinung gut oder schlecht finde. Ich akzeptiere die Gedanken
       und Meinungen von anderen Menschen. Wenn ich nicht ihrer Meinung bin, dann
       versuche ich trotzdem, die andere Seite zu verstehen. Ein respektvoller
       Umgang miteinander ist dabei wichtig.
       
       Wie nehmen Ihre Gesprächspartner das auf, haben Sie auch negative
       Erfahrungen gemacht? 
       
       Ich habe auch schon Hass-Nachrichten bekommen. Aber das ist für mich keine
       wichtige Sache. Ich beschäftige mich lieber mit den Menschen, mit denen ich
       auf der Straße rede. Nicht mit den Menschen, die schlecht über uns oder
       mich reden.
       
       Also ist das Ihr Umgang damit – sich auf das Positive zu konzentrieren? 
       
       Ja. Es gibt Beleidigungen und Respektlosigkeit, aber mit manchen Menschen
       kann man einfach nicht diskutieren. Es bringt nichts, sich lange damit zu
       beschäftigen. Wir können nur weiterkommen, wenn wir uns gegenseitig
       respektieren.
       
       Wie kann ein kultureller Austausch zu einem guten Miteinander beitragen? 
       
       Wir sind Geflüchtete und sind auch mit unserer Kultur hierhergekommen. Wir
       integrieren uns in die deutsche Gesellschaft, da wir hier jetzt leben. Das
       bedeutet aber auch, dass wir nicht nur die deutsche Kultur annehmen,
       sondern auch unsere Kultur weiterleben können. Ich finde einen kulturellen
       Austausch wichtig, da er die menschliche Entwicklung fördert. Es gibt vor
       allem auch keine „richtige“ oder „falsche“ Kultur.
       
       Wie sind Ihre eigenen Erfahrungen – was hat gut funktioniert im kulturellen
       Austausch? 
       
       Ich habe mittlerweile viele deutsche Freunde und Freundinnen. Die
       interessieren sich für meine Kultur. Ich lade sie gerne zum arabischen
       Essen ein und wir reden manchmal auch über die arabische Geschichte. Das
       ist für mich auf jeden Fall eine positive Sache, die durch den kulturellen
       Austausch entsteht. Ich beschäftige mich auch mit der deutschen Kultur und
       der Entwicklung der Gesellschaft, weil ich hier leben und meine Zukunft
       aufbauen möchte.
       
       19 Oct 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hannah Maatallaoui
       
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