# taz.de -- heute in hamburg: „Selbstfürsorge als Grundlage für Aktivismus“
       
 (IMG) Bild: Foto: privat
       
       Interview Hannah Maatallaoui
       
       taz: Herr Luthmann, was bedeutet nachhaltiger Aktivismus? 
       
       Timo Luthmann: Nachhaltiger Aktivismus ist ein Konzept zur Entwicklung und
       Stärkung eines langfristigen politischen Engagements. Dieses besteht aus
       drei Säulen: die Reflexion der eigenen politischen Praxis, die Stärkung des
       Individuums sowie die Stärkung des Kollektivs.
       
       Welche Fragen stellen Sie sich dabei? 
       
       Ich frage: Was stärkt uns individuell? Was stärkt uns kollektiv? Was stärkt
       unsere Gruppen und Bewegungen? Und in größerer Vision: Welche Dinge stärken
       eine Gesellschaft?
       
       Welche Antworten haben Sie gefunden? 
       
       Selbstfürsorge ist eine wichtige Grundlage für politischen Aktivismus.
       Gleichzeitig muss das aber im Verhältnis gesehen werden, denn es kann
       natürlich auch ins Extrem überschlagen. Die verschiedenen Faktoren müssen
       sich ausbalancieren. Bei manchen Dingen können wir nur auf uns selbst
       achten, aber teilweise sind die Probleme auch strukturell verankert. Man
       muss halt gucken, dass man auf den richtigen Ebenen die passenden Antworten
       findet.
       
       Welche strukturellen Probleme sehen Sie in linken sozialen Bewegungen? 
       
       Wenn das Konfliktverhalten nicht konstruktiv geführt wird, ist das ein
       Problem. Die Art, wie wir miteinander umgehen und kommunizieren, hat große
       Auswirkungen darauf, ob die Menschen langfristig motiviert bleiben, wir uns
       entfalten und Bewegungen wachsen können oder ob die Menschen irgendwann
       ausbrennen.
       
       Ihr Handbuch für nachhaltigen Aktivismus heißt „Politisch aktiv sein &
       bleiben“. Können auch Menschen, die noch nicht politisch aktiv sind, etwas
       damit anfangen? 
       
       Das Handbuch richtet sich einerseits an Menschen, die sich schon lange
       politisch engagieren und stellt für sie eine Möglichkeit dar, die eigene
       politische Praxis noch mal zu vertiefen und zu reflektieren. Gleichzeitig
       richtet sich das Buch aber auch an Menschen, die grade erst anfangen, sich
       zu engagieren oder vorhaben, politisch aktiv zu werden. Es bietet einen
       Überblick, welche Dinge dabei beachtet werden sollten, um gewisse Konflikte
       zu verhindern. Trotzdem muss jeder Mensch seine eigenen Erfahrungen machen.
       
       5 Oct 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hannah Maatallaoui
       
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