# taz.de -- Bergbau-Unglück im türkischen Soma: Haftstrafen für Verantwortliche
       
       > Vier Jahre ist das tödliche Grubenunglück in der Türkei her. Ein Gericht
       > verurteilte mehrere Verantwortliche zu langjährigen Haftstrafen.
       
 (IMG) Bild: Reihenweise offene Gräber, kurz nach dem Grubenunglück im Mai 2014
       
       Istanbul afp/dpa | Vier Jahre nach dem [1][Bergbau-Unglück mit 301 Toten im
       türkischen Soma] sind mehrere Verantwortliche zu langjährigen Haftstrafen
       verurteilt worden. Ein Gericht in der westtürkischen Stadt Akhisar
       verurteilte den ehemaligen Minenchef Can Gürkan am Mittwoch zu 15 Jahren
       Gefängnis, wie die staatlichen türkischen Nachrichtenagenturen Anadolu und
       Dogan berichteten.
       
       Auch vier weitere frühere hochrangige Manager der Betreiberfirma wurden
       demnach für schuldig befunden und erhielten Haftstrafen zwischen 18 und
       mehr als 22 Jahren. Damit fielen die Strafen dennoch deutlich milder als
       von der Staatsanwaltschaft gefordert aus.
       
       Sie hatte für die Topmanager 25 Jahre Haft für jedes der 301 Todesopfer
       sowie drei weitere Jahre für jeden der 162 Verletzten gefordert. In dem
       seit drei Jahren andauernden Prozess sollen Urteile gegen insgesamt 37
       Angeklagte fallen.
       
       Das Strafmaß blieb hinter den Erwartungen der Anwälte und Familien der
       Opfer zurück – die Anwälte verließen nach den ersten Urteilen aus Protest
       den Saal. Sie hatten für insgesamt elf der mehr als 40 Angeklagten mehrfach
       lebenslange Haftstrafen gefordert. Angehörige schrien wütende Proteste in
       Richtung der Richter.
       
       ## Angebliche Unvermeidbarkeit
       
       In der Kohlegrube in der westlichen Provinz Manisa waren am 13. Mai 2014
       nach dem Ausbruch eines Feuers binnen Minuten hunderte Arbeiter verbrannt
       oder an giftigen Gasen erstickt. 162 weitere Bergleute waren bei der
       Katastrophe verletzt worden.
       
       Der damalige türkische Ministerpräsident und jetzige Staatschef Recep
       Tayyip [2][Erdogan hatte damals viele Menschen gegen sich aufgebracht], als
       er bei einem Besuch in Soma nach dem Unglück über die angebliche
       Unvermeidbarkeit von Bergwerksunfällen sprach. Es war das schwerste
       Grubenunglück in der Geschichte der Türkei.
       
       11 Jul 2018
       
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