# taz.de -- Autor Wolfgang Müller über Elfen: „Es kann sehr poetisch sein“
       
       > Eine „Elfenexpertin“ soll die häufigen Unfälle auf der A2 erklären.
       > Unerklärliches wird gerne mit Ungreifbarem in Verbindung gebracht, sagt
       > Wolfgang Müller.
       
 (IMG) Bild: So sichtbar wie diese kleine Elfe sind sie nicht: die Elfen auf der A2, die scheinbar Unfälle verursachen
       
       taz: Herr Müller, in Deutschland gibt es nun also Elfenbeauftragte.
       Zeichnet sich hier ein neuer Trend ab? 
       
       Wolfgang Müller: Ja, mit Sicherheit. Es gibt ja immer so Lücken, die sich
       die Leute dann suchen. Viele basteln sich dann neue Arbeitsplätze in
       Bereichen, die noch nicht besetzt sind. Und es zeigt ja Wirkung, die neuen
       Elfenbeauftragten sind durchaus erfolgreich. Man muss in den Medien klar
       machen, dass man auch ein Medium ist, ein Träger. Man muss zeigen, dass man
       auch über mediale Fähigkeiten verfügt. Und dann kann man sich zur Verfügung
       stellen mit seinen übersinnlichen Talenten. Das findet Nachfrage.
       
       Der aktuelle Fall der A 2: Die Elfenbeauftragte Melanie Rüter erklärt, die
       Schuld für besonders viele Unfälle liege bei den Elfen. Wie kommt man
       darauf? 
       
       Alles, was man nicht erklären kann, kann man heute entweder auf den Zufall
       zurückführen, als unerklärbar bezeichnen oder als durch den lieben Gott
       herbeigeführt. Oder man erklärt es eben durch die Elfen. Alles
       Unerklärliche wird gerne mit Ungreifbarem in Verbindung gebracht.
       
       Was ist Ihre Einschätzung: Sind da Elfen am Werk? 
       
       Ich versuche zuerst einmal immer nach rationalen Erklärungen zu suchen,
       aber es gibt auch Sachen, die sind nicht erklärbar. Es ist ja immer die
       Frage, wie gerne man die Dinge mit Elfen erklären möchte – das ist von Land
       zu Land verschieden. In Deutschland würde man Unfälle auf der A 2 eher mit
       der Häufung von technischen Fehlern oder Problemen in Verbindung bringen.
       Woanders kann es aber sein, dass man es eher poetisch, also zum Beispiel
       durch Elfen, erklärt.
       
       Was bedeutet es denn, ein „Elfenbeauftragter“ zu sein und mit
       übernatürlichen Wesen zu kommunizieren? 
       
       In den konkreten Fällen muss man die Leute selber fragen, wie sie genau
       arbeiten. Den Begriff des „Elfenbeauftragten“ habe ich damals für die
       isländische Zuständige für Elfen geprägt. Ich wollte sie nicht einfach als
       Esoterikerin abtun. Die Frau hat Karten gezeichnet, von den Gebieten der
       Elfen, wenn es um Bauprojekte ging. Vor allem Juristen haben diese Karten
       dann gekauft. Oft war das symbolisch, damit man auch keine Elfe stört –
       aber es kann dabei natürlich auch ebenso gut nur um Public Relations
       gegangen sein.
       
       In Island ist es ja vorgeschrieben, vor Bauprojekten ElfenexpertInnen zu
       Rate zu ziehen: Braucht es das auch in Deutschland? 
       
       Naja, ich würde sagen, es kann sehr poetisch sein. Wenn man zum Beispiel
       sagt, ein Stein, der zu einem Märchen gehört, müsste unter einem gewissen
       Naturschutz stehen und deswegen erhalten bleiben. Es ist ja im Endeffekt
       egal, ob man es Elfen oder Naturschutz nennt.
       
       Ja, ich würde es schön finden, wenn zum Beispiel jemand etwas über einen
       Hügel schreibt, dass man den dann nicht platt macht und ein Einkaufszentrum
       darauf stellt, sondern dass man ihn erhält. Dann ist es eben auch egal, ob
       ich sage Elfen leben dort oder der Hügel gehört zu einer Geschichte.
       
       Haben Sie aktuell mit Elfen oder der Thematik zu tun? 
       
       Tatsächlich kann man das nicht trennen, denn die Elfen sind Teil von meinem
       Werk. Sie kommen immer wieder vor. Ich treffe mich zum Beispiel gleich mit
       Achmed, einem syrischen Flüchtling, und auch in Syrien gibt es die Elfen,
       sie heißen nur anders. Es ist ein allgegenwärtiges Thema.
       
       Die Kunst ist ja auch nicht restlos erklärbar, da ist auch Ungreifbares
       dabei. Deswegen bin ich nicht gleich religiös, aber es gibt viel, was nicht
       erklärbar ist. Kunst ist immer auch Ungewisses.
       
       6 Aug 2018
       
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