# taz.de -- Wolfgang Gast Leuchten der Menschheit: Na siehste, unter Freunden geht doch alles
Noch einmal zum Nachlesen: Angesichts der österreichischen Spionagevorwürfe
gegen Deutschland hat sich die Bundesregierung in Berlin klar gegen ein
Ausspähen des Nachbarlands gewandt. Regierungssprecher Steffen Seibert
erklärte vorvergangene Woche, der Satz „Ausspähen unter Freunden – das geht
gar nicht“ treffe auch hier zu: „Die Aussage gilt.“
Den Satz – nur zur Erinnerung – hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel 2013 im
Zuge der Affäre um US-Spionage in Deutschland und ihr abgehörtes Handy
gesagt. Seibert betonte weiter: „Österreich ist ein guter Freund unseres
Landes“, zu den konkreten Vorwürfen wollte er sich nicht äußern, da man
öffentlich nicht über operative Einsatze des Bundesnachrichtendienstes
(BND) spreche.
Der BND soll zwischen 1999 und 2006 systematisch die Telekommunikation
zentraler Einrichtungen in Österreich überwacht haben. Der Lauschbehörde
habe Ministerien in Wien, Firmen, internationale Organisationen wie die
Opec, islamische Einrichtungen ebenso wie Terrorverdächtige und
Waffenhändler ins Visier genommen, berichten die Zeitung Standard und das
Magazin Profil. Selbst für Universitätsprofessoren habe sich der
Geheimdienst interessiert.
Wien gilt als einer der Hotspots der Spionage in Europa – neben London und
Paris. Grund sind die internationalen Einrichtungen und der auch rechtlich
eher großzügige Umgang mit dem Thema. Spionage ist im neutralen Österreich
nicht strafbar, solange sie sich nicht gegen das Land selbst richtet. Das
hat Folgen: Der Grazer Historiker und Geheimdienstexperte Siegfried Beer
geht davon aus, dass rund 7.000 Agenten in der Donaumetropole auf der Suche
nach geheimen Informationen sind.
Wirklich neu sind Berichte über die BND-Spionage im Alpenland aber nicht.
Bereits 2015 wurden Abhörmaßnahmen des Bundesnachrichtendienstes gegen das
österreichische Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung
bekannt. Das schreiben die Autoren Christoph Franceschini, Thomas Wegener
Friis und Erich Schmidt-Eenboom in ihrem Buch „Spionage unter Freunden“
(Ch. Links Verlag, 2017), in dem sie die „Westaufklärung“ des BND und
seines Vorgängers, „Organisation Gehlen“, untersuchen. Sie zitieren unter
anderen den Nationalratsabgeordneten Peter Pilz, der in diesem Zusammenhang
von Zehntausenden gespeicherter Personendaten berichtete. Wer auf diese
Zugriff habe, so Pilz, der wisse „fast alles über das politische Leben in
dieser Republik“. Diese Aussicht muss schon sehr verlockend gewesen – so
viel zu „Unter Freunden geht das gar nicht“.
Der Autor ist Redakteur der taz
30 Jun 2018
## AUTOREN
(DIR) Wolfgang Gast
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