# taz.de -- Lippenkampf und Sittichbalz
       
       > Auch unter Tieren gibt es Verhaltensweisen, die dem Küssen ähneln. Nicht
       > immer geht es um die Liebe
       
       Sein Mund sieht aus wie zum Knutschen gemacht, diese Tätigkeit trägt der
       Küssende Gurami sogar im Namen. Der Speise- und Zierfisch aus Südostasien
       hat scheinbar geschürzte Lippen. Beim Balzen berühren die Guramis damit
       einander und umschlingen sich, bevor das Weibchen Tausende Eier ablaicht.
       
       Doch ihren Hauptzweck erfüllen die Lippen des Guramis beim Kämpfen. Mund
       auf Mund schieben zwei Männchen bei ihren Revierkämpfen gegeneinander an.
       Das mag für Menschen wie ein langer Kuss aussehen. Tatsächlich klären die
       Fische, wer der Stärkere ist.
       
       Bei diversen Tierarten gibt es Verhaltensweisen, die für Menschen wie Küsse
       aussehen. Wenn Schnauze auf Schnauze und Schnabel auf Schnabel trifft, kann
       das durchaus auch mit Zuneigung und Partnerschaft zu tun haben. Manchmal
       verfolgt es ganz andere Zwecke, es kann der Fütterung dienen oder dem
       Informationsaustausch.
       
       Wellensittich-Hähnchen auf der Balz plustern das Kopfgefieder auf, nicken
       vor einer potenziellen Partnerin mit dem Kopf und picken ihr an den
       Schnabel. Hochgewürgte Körner sind der Henne ein willkommenes Balzgeschenk.
       Die Vögel legen ihre Köpfe schräg, öffnen ihre Schnäbel kreuzweise
       ineinander, um sich Schnabel zu Schnabel zu füttern. Manchmal ducken die
       Wellensittich-Hennen sich in eine unterwürfige Position und betteln mit
       zirpenden Lauten bei ihrem Partner um Nahrung, ganz ähnlich wie Jungvögel,
       die gefüttert werden wollen.
       
       Wellensittichpaare bleiben oft ein Leben lang zusammen und füttern einander
       regelmäßig. Waren beide Partner eine Weile getrennt oder mit sich selbst
       beschäftigt, begrüßen sie einander mit einer Berührung am Schnabel.
       
       Einem leidenschaftlichen menschlichen Kuss sehr ähnlich ist das Geknutsche
       der Bonobos, einer Schimpansenart, die ausschließlich im Kongo lebt. Sind
       sie sexuell erregt, küssen Bonobos mit offenem Mund und mit Zunge. Das
       Küssen ist dabei nicht einem festen Partner vorbehalten. Bonobos haben
       mehrmals am Tag sexuelle Kontakte mit unterschiedlichen Partnern. Ob zur
       Begrüßung oder zur Beruhigung, Anlässe zur körperlichen Intimität finden
       sich viele. Das stärkt den Zusammenhalt und Frieden in der Gruppe.
       
       Der nächste Verwandte des Bonobo, der Gemeine Schimpanse, ist da sehr viel
       zurückhaltender. Schimpansen küssen sich flüchtig auf den Mund, um sich
       nach einem Streit zu versöhnen. Johanna Kleibl
       
       30 Jun 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johanna Kleibl
       
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