# taz.de -- Geschenke für die Mittelschicht
       
       > Das Bundeskabinett beschließt das „Familienentlastungsgesetz“. Nicht nur
       > die Opposition kritisiert es
       
       Von Volkan Ağar und Miriam Schröder
       
       Die Bundesregierung will Familien mit einem Milliardenpaket unterstützen.
       Das Kabinett hat am Mittwoch das sogenannte Familienentlastungsgesetz
       beschlossen. Der Entwurf von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sieht
       Entlastungen von jährlich bis zu 9,8 Milliarden Euro vor. So soll das
       Kindergeld ab Juli 2019 für jedes Kind um 10 Euro pro Monat und ab Januar
       2021 um weitere 15 Euro pro Kind erhöht werden.
       
       Auch der Kinderfreibetrag soll von derzeit 7.428 Euro in zwei Schritten auf
       7.812 Euro im Jahr 2020 steigen. Eine Familie mit einem jährlichen
       Bruttoeinkommen von 60.000 Euro hätte am Jahresende 251 Euro mehr.
       Allerdings profitieren Besserverdiener in höherem Maße von den
       Steuerentlastungen. Eine Familie mit einem Jahresbruttoeinkommen von
       120.000 Euro würde demnach um 380 Euro im Jahr entlastet.
       
       Nicht nur die Opposition ist deshalb skeptisch. Kritik kommt auch aus der
       Partei des Bundesfinanzministers selbst. Hilde Mattheis, SPD-Abgeordnete
       und Bundesvorsitzende des Forums Demokratische Linke 21, sagte der taz:
       „Die Erhöhung des Kindergeldes ist nicht falsch, wird aber meiner Meinung
       nach nicht dazu führen, Kinderarmut zielgerecht zu bekämpfen.“ Generell
       solle „die Einkommenssituation der Eltern ein Schlüssel zur Bekämpfung von
       Kinderarmut“ sein.
       
       Die Opposition moniert, dass die Maßnahme nicht den eigentlichen
       Bedürftigen zugutekomme. Lisa Paus, finanzpolitische Sprecherin der Grünen
       im Bundestag, erklärt: „Jedes dritte Kind in Berlin lebt von Hartz IV –
       ebendiesen ärmsten Familien wird das Familienentlastungspaket nicht helfen.
       Denn jeder Euro mehr Kindergeld wird ihnen und Alleinerziehenden, die
       Unterhaltsvorschuss beziehen, am Schluss wieder abgezogen.“ Katrin Werner,
       familienpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, sieht es ähnlich:
       „Das Familienentlastungsgesetz geht an den Familien vorbei, die es am
       dringendsten brauchen“, sagte sie der taz.
       
       Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zu Kinderarmut sind besonders
       Kinder von Alleinerziehenden von Armut betroffen. Nahezu jedes Kind, dessen
       alleinerziehende Mutter nicht erwerbstätig ist, lebt demnach in Armut.
       
       28 Jun 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Volkan Ağar
 (DIR) Miriam Schröder
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA