# taz.de -- SOZ-Gipfel in Shanghai: Harmonie beim G8 der Autokraten
       
       > Streit beim G7 in Kanada, Harmonie beim Treffen der Shanghai-Organisation
       > in China. Putin macht von Qingdao aus ein Angebot an Trump.
       
 (IMG) Bild: Zu acht in Qingdao: das diesjährige Treffen der Shanghaier Organisation
       
       Peking taz | Während sich die Regierungschefs der sieben mächtigsten
       Industrieländer (G7) bei ihrem Gipfel in Kanada [1][fast zerlegt haben],
       ist das fast zeitgleich laufende Treffen der Shanghaier Organisation für
       Zusammenarbeit (SOZ) im ostchinesischen Qingdao am Wochenende harmonisch
       und ohne offenen Streit abgelaufen.
       
       Unter Applaus der anwesenden Regierungschefs sprach sich Chinas Staats- und
       Parteichef für eine Welt der Kooperation und der Offenheit aus. Der
       chinesische Staatschef warnte vor „Protektionismus und Widerstand gegen die
       Globalisierung“. US-Präsident Donald Trump hatte den G7-Gipfel in Kanada am
       Samstag vorzeitig verlassen und auch seine Zustimmung zu einem gemeinsamen
       Papier zurückgezogen. Der US-Präsident drohte Kanada, Japan und den
       Europäern zudem offen mit Handelskrieg.
       
       „Wir sollen eigennützige, kurzsichtige und intransparente Politik
       zurückweisen“, sagte hingegen Xi ohne Trump explizit zu benennen. Zur SCO
       gehören China, Russland, Kasachstan, Turkmenistan, Kirgistans, Usbekistans
       sowie als Neumitglieder erstmals auch Pakistan und Indien. Neben Wladimir
       Putin und Indiens Premierminister Narendra Modi waren an dem insgesamt
       dreitägigen Treffen zudem Irans Präsident Hassan Ruhani sowie die Führer
       Weißrusslands und Afghanistans anwesend. Der Iran bemüht sich ebenfalls um
       eine Vollmitgliedschaft.
       
       Die 2001 von Russland und China gegründete Shanghaier Organisation macht
       derzeit rund 20 Prozent des Welthandels und 40 Prozent der globalen
       Bevölkerung aus. Wie schon 2017 auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizer
       Davos präsentierte sich Chinas Staatspräsident Xi nun auch in Qingdao als
       „Retter des Freihandels“ und sprach sie für eine „Fortsetzung der
       Kooperation zum gegenseitigen Vorteil“ aus. „Wir müssen die Regeln der
       Welthandelsorganisation aufrechterhalten, das multilaterale Handelssystem
       unterstützen und eine offene globale Wirtschaft aufbauen“, forderte Xi. Der
       von Trump angezettelte Handelsstreit richtet sich nicht zuletzt auch gegen
       China. Die Volksrepublik erzielt den größten Handelsüberschuss gegenüber
       den USA. Danach folgt Deutschland.
       
       ## Bemüht harmonisch
       
       Für das diesjährige SOZ-Treffen hat sich Gastgeber China denn auch
       besonders viel Mühe gegeben. Die chinesische Führung hat für dieses Treffen
       in der ehemaligen deutschen Kolonie Qingdao extra ein gigantisches
       Kongresszentrum errichten lassen. Die Gäste wurden am Samstag mit einer
       großen Gala mit Lichtershow und Feuerwerk über dem Hafen begrüßt.
       
       Die chinesischen Staatsmedien bestreiten jedoch, dass China das Treffen der
       SOZ als pompöses Gegengewicht zum G7 in Kanada inszeniert hat. Nato oder
       die G7 würden eine Weltordnung im westlichen Sinne anstreben, heißt es in
       einem Leitartikel der parteinahen Zeitung Global Times. Der SOZ gehe es
       nicht um „geopolitische Spiele“ oder „internationale Konfrontation“.
       
       Dennoch fällt auf, wie der Gastgeber dieses Mal ganz besonders darum bemüht
       ist, Harmonie zu demonstrieren. In den Vorjahren waren sich diese Staaten
       keineswegs immer grün – vor allem China und Russland nicht. Pakistan und
       Indien sind geradezu verfeindet. Zu konkreten Beschlüssen kommt es beim
       SOZ-Treffen in Qingdao denn auch nicht. Über den genauen Ablauf der
       Gespräche wird vom Gastgeber China ebenfalls nicht viel informiert.
       bekkannt. Stattdessen verlieht Xi am Freitag kurz vor Beginn des Treffens
       seinem russischen Amtskollegen Putin eine goldene Ehrenmedaille und nannte
       ihn seinen „besten Freund“.
       
       Der Gipfel der zumeist autokratischen Regierungschef verlief dem äußeren
       Anschein nach nicht nur untereinander äußerst harmonisch ab. Als ein
       Zeichen der Versöhnung sendete Russland Präsident Putin von Qingdao aus
       eine Einladung an den US-Präsidenten und schlug ihm erstmals ganz konkret
       ein Treffen vor. Obwohl Trump im Wahlkampf offenbar noch enge Kontakte nach
       Russland pflegte, hat das Verhältnis auch zwischen USA und Russland zuletzt
       erheblich gelitten. „Sobald die USA bereit sind, kann dieses Treffen
       stattfinden“, sagte Putin.
       
       10 Jun 2018
       
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