# taz.de -- Kommentar Türkei greift PKK im Irak an: Krieg als Mittel im Wahlkampf
       
       > Erdoğans Regierung erklärt, die Armee sei im Begriff, das Hauptquartier
       > der PKK im Nordirak anzugreifen. Als Wahlkampftaktik taugt das nur mäßig.
       
 (IMG) Bild: Wird ihm der Krieg gegen die PKK im Wahlkampf helfen? Recep Tayyip Erdoğan
       
       Bis jetzt spielte die kurdische PKK-Guerilla im Wahlkampf in der Türkei
       kaum eine Rolle. Der „Kampf gegen den Terror“, sonst ein Top-Thema von
       Präsident Recep Tayyip Erdoğan, mit dem es ihm immer wieder gelungen war,
       Unterstützung für seine Regierung zu mobilisieren, schien die Wähler bis
       jetzt kalt zu lassen. Angesichts der Wirtschaftskrise, hoher
       Arbeitslosigkeit und einer dramatisch an Wert verlierenden Landeswährung
       interessieren sich die meisten Wähler nur noch am Rande für die
       traditionelle Propaganda.
       
       Doch das könnte sich noch ändern. [1][Erdoğans Regierung machte am Dienstag
       öffentlich], dass die Armee im Begriff ist, das Hauptquartier der PKK in
       den Kandilbergen im Nordirak anzugreifen. Seit 20 Jahren werden dem
       türkischen Publikum die Kandilberge als der Hort des Bösen überhaupt
       verkauft. Allein der Name „Kandil“ ist eine Chiffre für Terror und Gewalt.
       
       Entsprechende Wirkung hätte es, wenn die Armee auf Anweisung von Erdoğan
       jetzt den „Hort des Bösen“ stürmen würde. Es könnte dem Präsidenten damit
       vielleicht sogar gelingen, die Wirtschaftsfragen wieder in den Hintergrund
       zu drängen.
       
       Allein mit den jetzt verbreiteten Meldungen wird das Terrorthema wieder
       stärker auf die politische Agenda gedrückt und gleichzeitig an Erdoğans
       „Sieg in Afrin“ erinnert, den er im Wahlkampf bisher kaum nutzen konnte.
       Krieg als letztes Mittel, die Nation wieder hinter sich zu bringen, birgt
       aber auch ein großes Risiko.
       
       Im konkreten Fall: Der Angriff auf die Kandilberge kann auch schiefgehen.
       Schließlich konnte sich die PKK dort nicht ohne Grund zwei Jahre lang
       halten. Tote Soldaten und tote Zivilisten im Irak sind nicht gerade eine
       Empfehlung für eine Regierung. Letztlich ist die türkische Gesellschaft
       dieses Themas auch völlig überdrüssig. Es könnte deshalb durchaus auch
       sein, dass der Angriff auf Kandil für Erdoğan gerade zum Gegenteil dessen
       führt, was er beabsichtigt, und stattdessen das Lager derjenigen stärkt,
       die lieber auf Verhandlungen als Gewalt setzen.
       
       6 Jun 2018
       
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