# taz.de -- Zum Tag der Pressefreiheit: Schreiben gegen Ungerechtigkeit
       
       > Reyhan Hacıoğlu schrieb für die Zeitung „Özgürlükçü Demokrasi“ über
       > Themen, die unter den Teppich gekehrt werden. Seit März sitzt sie
       > deswegen in Haft.
       
 (IMG) Bild: Reyhan Hacıoğlu
       
       Die kurdische Journalistin Reyhan Hacıoğlu wurde bei einer Razzia gegen die
       Zeitung Özgürlükçü Demokrasi (Freiheitliche Demokratie) Ende März 2018
       verhaftet. Hacıoğlu wird in der Türkei vorgeworfen, sie sei Mitglied einer
       terroristischen Vereinigung. Die 31-Jährige sitzt in der Frauenhaftanstalt
       Bakırköy in Haft.
       
       Die Zeitung, für die sie schrieb, kennen in Deutschland nur wenige. Die
       Özgürlükçü Demokrasi ist eine jener Zeitungen in der kurdischen
       Presselandschaft, die schon länger unter Druck stehen als Erdoğan und AKP
       an der Macht sind. Wegen wiederholter Publikationsverbote wechselte sie
       mehrfach ihren Namen. Seit den Neunzigern gab es gegen die Zeitung, die
       damals noch Özgür Gündem (Freie Agenda) hieß, unzählige An- und Übergriffe.
       Für sie tätige Journalist*innen wurden bestraft. Zuletzt wurde sie von der
       Regierung zum Schweigen gebracht.
       
       Geboren wurde Reyhan Hacıoğlu in einem Dorf in der Provinz Kars im
       Nordosten der Türkei. Sie wuchs als drittes von fünf Kindern auf. Schon ab
       der Mittelstufe zeigte sich, dass Reyhan gut schreiben konnte, ihre
       Geschichten wurden mit diversen Preisen ausgezeichnet.
       
       Reyhan Hacıoğlu studierte Politikwissenschaft und Verwaltung. Ihre
       Schwester Rabia sagt, Reyhan habe es als erste Frau der Familie an die Uni
       geschafft. Für Reyhan Hacıoğlu wurde der Widerstand gegen Ungerechtigkeit
       und Repression zum Lebensthema. Ihr Text über Taybet Inan, die bei
       Ausgangssperren im Südosten 2016 getötet wurde und sieben Tage lang nicht
       bestattet werden konnte, avancierte zur Vorlage für einen Kurzfilm.
       
       Ihr Kollege Inan Kızılkaya, der die Zeitung zeitweise als Chefredakteur
       leitete und selbst 441 Tage in Untersuchungshaft saß, betont den
       überragenden Schreibstil von Reyhan Hacıoğlu. „Für die kurdische Presse zu
       arbeiten ist eine politische Haltung. Mit diesem Bewusstsein übernahm
       Reyhan eine aktive Rolle in der Debatte über Frauen und Sexismus.“
       
       Ihre Schwester Rabia erklärt, Reyhan Hacıoğlu werde keinesfalls aufgeben,
       wenn sie aus der Haft entlassen wird. Auch 2016, als ihre Kolleg*innen
       festgenommen wurden, sei sie gleich am nächsten Tag wieder zur Arbeit
       gegangen. Reyhan wähle bewusst Themen, die sonst unter den Teppich gekehrt
       werden, um darüber zu schreiben. Ihr Hauptthema aber verliere sie nie aus
       den Augen: Frauen!
       
       Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe
       
       3 May 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gülten Sarı
       
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