# taz.de -- heute in bremen: „Wir sind schon froh, dass evaluiert wurde“
       
       Interview Jan Zier
       
       taz: Die wissenschaftliche Evaluation des Schulfriedens ist positiv
       ausgefallen. Sind Sie auch zufrieden, Herr Hansen? 
       
       Pierre Hansen: Insgesamt finden wir als Zentralelternbeirat den
       Schulkonsens auch gut und wir sind auch Verfechter des Zwei-Säulen-Modells.
       Das hat nie in Frage gestanden. Das Problem ist, dass nicht genug
       Ressourcen in das System gesteckt wurden.
       
       Also brauchen wir einfach mehr LehrerInnen? 
       
       Ja, aber auch mehr Räume und mehr Sachmittel.
       
       Der Senat würde jetzt sagen: „Wir sind auf einem guten Weg.“ 
       
       Das ist ja auch so. Uns wäre es nur lieb, er wäre etwas schneller auf
       diesem Weg.
       
       Was fordern Sie konkret? 
       
       Wir sind Mitglied des Bremer Bündnisses für Bildung, dass 180 Millionen
       Euro mehr fordert – dazu stehen wir. Im Moment haben wir im Verhältnis zu
       den anderen Stadtstaaten eine Differenz von etwas mehr als 2.000 Euro pro
       Schüler und Jahr. Diese Lücke muss geschlossen werden. Gerade in den
       benachteiligten Stadtteilen kommt zu wenig an.
       
       Waren Sie an der Evaluation beteiligt? 
       
       Wir waren lediglich im Beirat vertreten. Inhaltlich waren wir nicht
       beteiligt, weder die Eltern noch die SchülerInnen sind befragt worden.
       Irritierenderweise wurden die Schulleiter dazu befragt, was sie glauben,
       wie die Eltern dazu stehen. Wir sind aber schon froh, dass überhaupt
       evaluiert wurde.
       
       Die Evaluation ergab auch: Die Abiturquote von Kindern aus sozial
       benachteiligten Elternhäusern hat sich nicht erhöht. 
       
       Das muss sich ändern. Die Frage ist: Muss jeder Abitur machen? Mir wäre es
       wichtiger, die Leute hätten einen vernünftigen mittleren Abschluss, mit dem
       sie auch was anfangen können.
       
       Die Frage ist aber doch auch: Warum machen vor allem die Kinder der
       Besserverdienenden Abitur? 
       
       Das seh ich an mir selbst. Meine Eltern sind selbst beide Akademiker, und
       als ich in der Mittelstufe Probleme hatte, wurde massiv in Nachhilfe
       investiert. Die Kinder aus Arbeiterfamilien haben eben die Schule
       gewechselt.
       
       Aber die Leistungen der Schüler sind auch nicht besser geworden, seit der
       Schulreform. 
       
       Wir haben aber zugleich mehr Schüler mit Migrationshintergrund und mehr
       Schüler mit Armutsrisiko – da wäre eine drastische Verschlechterung zu
       erwarten gewesen.
       
       8 May 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan Zier
       
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