# taz.de -- die dritte meinung: Macron missachtet die Bindeglieder zwischen Macht und Volk, sagt Alexandra Schwartzbrod
       
       Ein Jahr nach seiner Wahl zum französischen Präsidenten kann Emmanuel
       Macron sich rühmen, mit einem gewaltigen Tritt die französische
       Parteienlandschaft zerstört zu haben. Die traditionellen Parteien wurden
       zerschlagen; von den Anführern der sozialdemokratischen Parti Socialiste
       (PS) und den konservativen Republikanern (LR) ist derzeit nichts zu hören.
       Und die Gewerkschaften haben momentan weniger ein Problem damit, ihrer
       Stimme Gehör zu verschaffen, als überhaupt eine Stimme zu finden.
       
       Die stark zentralisierte Verwaltung des Landes, mit MinisterInnen, die
       lediglich Befehlsempfänger sind, und Bindegliedern zwischen Staat und
       Gesellschaft – also Gewerkschaften, Parteien und Interessengruppen –, die
       verachtet oder ignoriert werden, scheint momentan von einer hauchdünnen
       Mehrheit der Franzosen gebilligt zu werden.
       
       Aber wie lange noch? Der eher linke Teil der Bevölkerung, welcher sich
       Macrons Lechts-rinks-Motto gegenüber offen gezeigt hatte, nach dem
       wirtschaftliche Reformen und eine solidarische Sozialpolitik kein
       Widerspruch sein sollten – diese Leute beginnen nun ernsthaft zu zweifeln.
       An dem Schicksal nämlich, das den Prekärsten und den durch das kürzlich
       verschärfte Asyl- und Einwanderungsgesetz geschwächten Migranten droht.
       
       Am Sonntag warnte Laurent Berger, Generalsekretär des größten französischen
       Gewerkschaftsbunds CFDT, die Umsetzung der von Macron geplanten Reformen
       stehe auf dem Spiel: „Wenn wir ernsthaft erwägen, das ohne soziale,
       wirtschaftliche und lokale Akteure durchzuziehen, werden wir einen
       ziemlichen Reinfall erleben.“
       
       Der Mann ist weit entfernt davon, ein einzelner Wutbürger zu sein. Die
       Unterstützung, die Macron in der Öffentlichkeit noch genießt, wird nicht
       ewig anhalten. An dem Tag, an dem sich der Bruch endgültig vollzieht, wird
       Macron jenen Zeiten nachtrauern, in denen er noch auf die Unterstützung
       derer zählen konnte, die qua Berufung als Puffer zwischen der Macht und dem
       Volk fungieren.
       
       4 May 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) alexandra Schwartzbrod
       
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