# taz.de -- heute in hamburg: „Pimmelwitze haben Konjunktur“
Interview Cara Westerkamp
taz: Herr Kramer, während der G20-Demo standen Sie mit einem Pappschild auf
der Straße: „Ich bin Anwohner und gehe nur kurz zu Edeka“. Das Foto ging um
die Welt. Mal ehrlich, wollten Sie wirklich zu Edeka?
Andre Kramer: Ich wollte einfach nur einkaufen. Ich bin raus, zehn Meter
weiter haben die ersten Fotos von mir gemacht, 20 Minuten später machten
die bei Whatsapp die Runde und danach bei Facebook. Dann hat mich meine Oma
angerufen und gesagt, dass da ein Typ im Fernsehen ist, der aussieht wie
ich. So bin ich nicht zum Einkaufen gekommen und an dem Abend hungrig ins
Bett.
Das Foto ist auf den Plakaten zu Ihrer Comedy-Tour „Zuckerbrot ist alle!“.
War die G20-Aktion ein Karriere-Kick?
Am Morgen der Demo hatte ich auf Facebook 1.000 Fans, am Abend waren es
8.000. Ich habe Screenshots bekommen aus Amerika, aus China, aus
Australien, das war völlig irre.
In Ihrem Programm geht es nun um etwas anderes: Sexuelle Befriedigung durch
Schmerz und Demütigung. Was ist daran witzig?
Witze im sexuellen Kontext laufen immer gut. Der Pimmelswitz hat gerade
wieder Hochkonjunktur. Und ich bin der Mensch für den gehobenen Pimmelwitz.
Was waren Sie zuerst: Klassenclown oder Peitschenfetischist?
Klassenclown, das fing in der Grundschule an. In der Pubertät habe ich dann
gemerkt, dass ich mich sexuell in eine besondere Richtung entwickle.
Warum haben Sie das Thema für ihre Show gewählt?
Ich möchte es entmystifizieren: Fetisch, Sadomaso, Fesselspiele. Ich möchte
da diese ablehnende Dynamik rausnehmen, und zwar mit Humor. Ich probiere,
die Menschen dazu zu animieren, ihren eigenen Fantasien nachzugehen. Zu
ihrem Kopfkino zu stehen. Erfahrungen zu machen, die seit Jahren schon an
die Schädeldecke anklopfen. Viele denken bei dem Thema gleich an eine
psychosomatische Störung.
Ihnen fällt es scheinbar leicht, darüber zu reden.
Am Anfang hat es mich sehr viel Mut gekostet, und ich dachte, das geht
vorbei. Doch es fühlt sich immer noch jeden Abend auf der Bühne wie ein
Outing an. Aber das lohnt sich. Neulich habe ich eine Mail von einem Paar
bekommen, die nach meiner Show das erste Mal auf einer Fetisch-Party waren.
Die waren begeistert und werden das jetzt öfter tun.
Comedy-Tour „Zuckerbrot ist alle!“, 20 Uhr, Gruenspan, Große Freiheit 5
2 May 2018
## AUTOREN
(DIR) Cara Westerkamp
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