# taz.de -- Fake News über Terror: Nur für den Klick, für den Augenblick
       
       > Einen Anschlag hat der „Rheinneckarblog“ erst gemeldet, dann dementiert.
       > Er habe eine Debatte starten wollen. Das ist ihm gelungen – aber anders
       > als gedacht.
       
 (IMG) Bild: Großer Terroranschlag in Mannheim? Ja klar, und der Storch bringt die Kinder
       
       Sirenengeheul aus dem Lautsprecher, Schauspieler offerieren sich als
       Augenzeugen, dazu die erfundene Webseite eines Nachrichtensenders und sogar
       die fingierte Hotline der örtlichen Rettungsdienste: Mit diesem
       beeindruckenden Szenario legte ein Regisseur vor knapp neun Jahren die
       Öffentlichkeit rein. Die Deutsche Presseagentur berichtete über den
       letztlich fiktiven Anschlag in der ebenso erfundenen US-Kleinstadt
       Bluewater, Sender und Onlineportale stiegen ein.
       
       Nun schob ein Blogger eine Art zweites Bluewater an. Der Schauplatz
       diesmal: Mannheim.
       
       Der Rheinneckarblog meldete „[1][den bisher größten Terroranschlag in
       Westeuropa]“, bei dem „offiziell bislang 136 Tote gezählt, 237 Personen
       verletzt sind“. Vieles an dieser Aktion ist perfide. So veröffentlichte der
       Blog die Meldung nachts, wenn Redaktionen dünn besetzt sind und die
       Angriffsfläche groß.
       
       Als die Polizei von einem „[2][erfundenen Text]“ sprach, meldete der Blog
       eine „Nachrichtensperre“, nach dem Motto „Logisch, dass die Polizei
       dementiert“. Die Geschichte enthielt zwar jenseits von Überschrift und
       Zusammenfassung Hinweise, wonach die Sache erfunden war – allein: Sie waren
       vor allem zahlenden AbonnentInnen vorbehalten.
       
       ## Geht so „Gonzo“?
       
       „Wir haben aktuelle Fakenews veröffentlicht, die morgen schon Realnews sein
       könnten“, rechtfertige sich Blogger Hardy Prothmann und sprach von
       „Gonzo-Journalismus“. Das Ziel: sensibilisieren für Sicherheit („Keine
       Stadt in Deutschland wäre einer koordinierten Terrorattacke gewachsen“) und
       Fakenews („[3][Denken statt Liken]“). Außerdem dürfte es Prothmann darum
       gehen, AbonnentInnen zu gewinnen. Er hatte sich vor Jahren öffentlich
       empört, vom Bloggen nicht leben zu können.
       
       Letztlich hat Prothmann erreicht, dass diskutiert wird. Allein: Es reden
       praktisch alle nur über ihn und seine irre Aktion. Wer Kritik übt, den
       [4][weist der Kritisierte] [5][ruppig zurecht] – auch LeserInnen. Anderen
       Medien wirft er falsche Berichterstattung vor und droht teils, Anwälte zu
       engagieren.
       
       „Ein Regionalblog meldet ein riesiges Verbrechen, um Aufmerksamkeit zu
       erzeugen, löst es nur hinter der Paywall auf, freut sich über Klicks aus
       aller Welt, regt sich über 'schlechte Recherche’ anderer auf und bezeichnet
       Kritiker als 'Kleingeister’“, [6][twitterte Nachrichtenjournalist Marc
       Krüger]. Krüger arbeitet zwar heute in Berlin, war jedoch davor
       News-Redakteur beim SWR, der für Mannheim zuständigen ARD-Anstalt. Die
       Aktion liefere „[7][allen Argumente, die bloggen immer noch für unseriös
       halten. Es verbessert gar nichts, zerstört aber sehr viel].“
       
       Beim Deutschen Presserat sind bereits Beschwerden wegen des Textes
       eingegangen. Die zuständige Staatsanwaltschaft prüft, ob es einen
       Anfangsverdacht für eine Straftat gibt.
       
       26 Mar 2018
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://rheinneckarblog.de/25/massiver-terroranschlag-in-mannheim/137678.html
 (DIR) [2] https://twitter.com/PolizeiMannheim/status/977733471681556480
 (DIR) [3] https://rheinneckarblog.de/25/denken-statt-liken/137693.html
 (DIR) [4] https://twitter.com/PatrickGensing/status/977838985836982272
 (DIR) [5] https://www.facebook.com/Rheinneckarblog/posts/2021689751199225
 (DIR) [6] https://twitter.com/kollege/status/977911065085448192
 (DIR) [7] https://twitter.com/kollege/status/977919622342217728
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Bouhs
       
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       scharfen Texte – aber alle lesen sie.