# taz.de -- heute in hamburg: „Obdachlose haben eine Menge drauf“
       
       Interview Cara Westerkamp
       
       taz: Frau Arendt, Profiköche und Hinz&Kunzt-Verkäufer am selben Herd. Wird
       es mal knallen? 
       
       Sybille Arendt: Das wird gut funktionieren, die Köche sind es gewohnt, mit
       allen möglichen Leuten zu arbeiten. Klar, irgendwas wird mal nicht klappen.
       Aber darauf freuen sich irgendwie auch alle ein bisschen.
       
       Wie sind Sie auf die Idee der Kunzt-Küche gekommen? 
       
       Ich koche selber gerne und wir kochen bei Hinz&Kunzt regelmäßig, einmal im
       Monat kochen sogar die Verkäufer. Damit haben wir schon viele gute
       Erfahrungen gemacht und waren immer überrascht und begeistert, wie gut sie
       selber kochen können. Das ist toll, weil man sich da auf Augenhöhe
       begegnet.
       
       Weshalb? 
       
       Kochen und Essen macht jeder gern und das können die Verkäufer im Zweifel
       sogar besser als wir. Aber auch den Gästen gegenüber auf Augenhöhe: Wir
       können uns durch das Projekt mal zeigen. Man kann uns dann mal auf eine
       ganz andere Art erleben.
       
       Was wird gekocht? 
       
       Abends gibt es immer drei Gänge für 30 Euro. Mittags werden 60 Portionen
       gekocht, aber nicht von Gastköchen, sondern von Lutz Bornhöft. Ihm gehört
       das Restaurant, die „COOK UP culinary gallery“. Mittags zahlt jeder, was er
       mag, da sind auch Bedürftige willkommen, die zahlen dann gar nichts. Heute
       steht Linsen-Dahl mit Fisch, Merguez oder Amidori auf dem Speiseplan.
       
       Was ist wichtiger: Gutes Essen oder gute Gesellschaft? 
       
       Beides, das gehört immer zusammen.
       
       Wie vereinen Sie das? 
       
       Man kann den Köchen beim Arbeiten zuschauen. Heute kochen Olaf Plogstedt
       von der Roten Gourmet Fraktion und Fabian Erich vom FuH in Ottensen mit
       Hinz-und-Künztlern. Man kann gucken, was das für Menschen sind, und sieht,
       dass sie ganz „normal“ sind.
       
       Warum ist das wichtig? 
       
       In unserer täglichen Arbeit sehen wir ja oft, dass Obdachlose misstrauisch
       beäugt werden und man Ihnen nichts zutraut. Und beim Kochen kann man
       erleben, dass sie eine Menge drauf haben.
       
       Nebenan ein Italiener, gegenüber eine Espressobar: Wird die Küche heute
       trotzdem voll werden? 
       
       Ja, für abends sind wir ausgebucht. Mein Tipp: Einfach vorbeikommen und
       aufs Glück hoffen.
       
       Anlässlich des 25. Geburtstages von Hinz & Kunzt kochen 25 Profiköche 25
       Tage lang zusammen mit Hinz & Kunzt-Verkäufern in der Cook Up culinary
       gallery, Weidenallee 27
       
       4 Apr 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Cara Westerkamp
       
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