# taz.de -- das portrait: Inge Prestele ist eine angriffslustige Taubenschützerin
       
 (IMG) Bild: Ihr liegen Tauben am Herzen: Inge Prestele Foto: privat
       
       Emmelino ist verliebt, seit zehn Tagen. „Er tanzt herum und liegt mit einer
       jungen Taube zusammen“, sagt die Tierschützerin Inge Prestele. Bald gibt es
       Taubennachwuchs in Hittbergen bei Lüneburg.
       
       Prestele hatte Emmelino vor zwei Jahren mit einer Kollegin von der Straße
       gerettet. „Der Tauber hatte verletzte Füße und musste auf dem Bauch
       landen“, sagt die 59-Jährige. Sie fingen ihn mit einem Netz ein und
       brachten ihn zu einer Tierärztin, die ein Bein amputieren musste. „Auch
       wenn ihm ein Bein fehlt, hat er eine schöne Freundin gefunden“, sagt die
       gebürtige Bayerin Prestele. Das Aussehen spiele bei den Tauben keine Rolle.
       Auch blieben sie ihren Partnern treu.
       
       Wegen solcher Momente weiß die Industriedesignerin, warum sie das macht
       mit der Arbeit als zweite Vorsitzende im Verein Hamburger Stadttauben. 140
       Mitglieder kümmern sich vorwiegend um Tauben, die in Not geraten sind. Sie
       haben ein Telefon für Passanten eingerichtet, die verletzte Tauben melden
       können. Doch die Taubenschützer können auch angreifen. Sie haben es zuletzt
       mit der Kammerjäger-Firma Rentokil aufgenommen.
       
       Diese hatte auf ihrer Homepage darauf hingewiesen, dass Tauben Krankheiten
       übertragen können, elf waren aufgelistet, unter anderem die
       Gehirnentzündung Enzephalitis. Prestele und ihre Kollegen recherchierten
       und widerlegten die Angaben mit wissenschaftlichen Quellen. Im Juni 2017
       verschickten sie dazu eine Pressemitteilung. Hamburger Stadttauben warf dem
       Unternehmen Panikmache vor, um Profit zu erzielen. „Von den Krankheiten
       trifft lediglich eine komplett zu.“ Prestele meint die grippeähnliche
       Ornitose.
       
       Rentokil versuchte Hamburger Stadttauben durch eine Unterlassungserklärung
       dazu zu bewegen, die Pressemitteilung zurückzuziehen. Der Verein ließ sich
       jedoch nicht einschüchtern. Es kam zum Prozess, den die Taubenschützer
       gewannen. „Es ging dabei aber nicht um die Krankheiten, sondern darum, dass
       wir uns frei äußern dürfen“, sagt Prestele. Die Liste mit den Krankheiten
       hatte Rentokil schon vor dem Prozess von seiner Seite entfernt. Philipp
       Schulte
       
       21 Feb 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Philipp Schulte
       
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