# taz.de -- der rote faden: Augen auf bei der Berufswahl, Kinder und Oberlurche!
       
       Durch die Woche mit Klaus Raab
       
       Eigentlich wollte ich Ihnen hier ausführlich von den neuesten Witzen
       erzählen, die in dieser Woche im Internet herumgereicht wurden. Da gibt es
       zum Beispiel ein Foto von einem Uhu, der einen Flügel wie zum Gruß hebt.
       Wissen Sie, wie dieser Uhu heißt? Er heißt Huhu.
       
       Aber mehr Witze gehen jetzt irgendwie doch nicht, denn leider sind uns die
       Grünen dazwischengekommen, und so was gilt in Journalistenkreisen ja immer
       als wichtiger. Also, ich weiß nicht, ob Sie es mitgekriegt haben, aber:
       
       Die Grünen haben jetzt neue Vorsitzende. Die eine heißt Annalena Baerbock,
       der andere heißt Robert Habeck. Sie waren gerade frisch gewählt, da war
       auch schon ein regelrechter Vorgang im Anflug, über den wir dringend reden
       müssen: Wissen Sie, was Tina Hassel von der ARD getwittert hat, als die
       Abstimmungen vorbei waren?
       
       „Frische #grüne Doppelspitze lässt Aufbruchsstimmung nicht nur in
       Frankreich spüren. #Habeck und #Baerbock werden wahrgenommen werden!
       #Verantwortung kann auch Spaß machen u nicht nur Bürde sein Wichtiges
       Signal in diesen Zeiten!“
       
       Sie merken als aufmerksameR LeserIn natürlich sofort, was hier nicht
       stimmt: Vor dem letzten Satz fehlt ein Punkt.
       
       Aber darüber hinaus fiel einigen geschätzten Journalistenkollegen auch noch
       auf, dass der Tweet gar nicht so neutral formuliert war wie, sagen wir,
       eine Waschmaschinenanleitung. Da stehe ja praktisch schon wieder der
       nächste mediale Schulz-Zug auf dem Gleis, hieß es. Diese Begeisterung schon
       wieder, nur weil es um die Grünen gehe, die bei Journalisten ja eh beliebt
       seien und so weiter. Auf Trump und der AfD dagegen werde immer nur
       rumgehackt.
       
       Und wissen Sie was? Die Leute haben recht. So einen Tweet kann man schon
       mal mit der Gesamtheit aller journalistischen Äußerungen gleichsetzen,
       warum denn nicht? Journalismus muss ausgewogen bleiben. Wir brauchen
       endlich mehr Lob für den wahnsinnig klugen und beredten Donald Trump! Mehr
       schöne Homestorys bei den neuen Bundestagsausschussvorsitzenden der AfD!
       Und mehr Kritik an diesen grünen Oberlurchen!
       
       Haben Sie zum Beispiel dieser Tage die erste Rede zur Lage der Nation von
       Trump gehört? Ein rhetorisches Feuerwerk! Mehr Zuschauer als je zuvor
       hätten einer solchen Rede zugehört, teilte er hinterher schüchtern mit. Das
       brauchen wir auch gar nicht weiter zu überprüfen, das glauben wir gerne
       einfach so.
       
       Die Grünen derweil: Die regieren ja nicht einmal, und da sieht man doch
       schon, wie dumm die sind, diese schwachsinnigen Regenbogenpinsler. Die sind
       wirklich so blöd, dass es kracht. Sie sind sogar noch scheißer als die
       ganzen anderen Schleimbeutel, und das soll wirklich etwas heißen, weil, die
       anderen sind ja auch alle so megascheiße. Dieses ganze Politikergeschmeiß
       gehört mal mit den Füßen nach oben in die Latrine gehängt, damit sie mal
       mit eigenen Augen sehen, was sie so reden den ganzen langen Tag. Aber die
       Grünen sind echt die Allerschlimmsten mit ihrem ausgedachten Klimagesabbel.
       Widerliche Ökogurken, pfui Pharao.
       
       Und dann war ich diese Woche außerdem krank, WTF, und habe mehrfach mit so
       einem Dreckswaschmaschinenreparaturservice telefoniert, der seit
       geschlagenen zwei Wochen nicht in die Pötte kommt, und ich habe viele,
       wirklich viele Stunden an einem sehr differenzierten und überaus klugen
       Text gearbeitet, den ich am Ende aber weggeworfen habe, weil er vielleicht
       doch eher so mittelgut war. Und wer hat’s verbockt? Die Grünen haben es
       jedenfalls nicht verhindert.
       
       Ein Honorar wollen mir diese Kleingeister aus der depperten Medienbranche
       natürlich dann wieder nicht zahlen. Nur weil man mal nicht abliefert. „Wo
       is’ der Text, Meister?“ – „Totrecherchiert. Gibt’s trotzdem Honorar?“ –
       „Äh, hä?“ Ja, so läuft das hier. Augen auf bei der Berufswahl, Kinder!
       Werdet Waschmaschinenreparaturclowns, dann könnt ihr direkt auf Barzahlung
       bestehen und müsst noch nicht mal was tun für. Außerdem ist die
       Tageslichtlampe verschollen, die zwar eh nix bringt, aber aufstellen könnte
       man sie halt, oder vielleicht nicht?
       
       Und was tun die Grünen bei alledem für mich, der hier von einem
       existenziellen Drama ins nächste schlittert? NIX. Sie fressen nur immerzu
       ihre Veggieburger, diese elitären Akademiker-Honks mit ihren albernen
       Pfeffermühlen. Wählt sie nicht, Leute, sie helfen einem bei den echten
       Problemen nicht weiter! Wählt Donald Trump, wenn ihr könnt, seine Frisur
       ist viel besser, als es immer heißt!
       
       So. Fertig.
       
       Ich hoffe, damit ist die Balance zwischen Journalistenlob und -kritik für
       die Grünen wieder zur allgemeinen Zufriedenheit hergestellt. Ach, nur eins
       noch, Kim Jong Un ist übrigens auch echt ein supergeiler Hecht.
       
       Nächste Woche Johanna Roth
       
       3 Feb 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaus Raab
       
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