# taz.de -- die dritte meinung: Wir brauchen ein Wirtschaftsforum, das soziale Probleme ernsthaft debattiert, sagt Alfred Eibl von attac
       
       Seit Dienstag treffen im schweizerischen Davos wieder Staats- und
       RegierungschefInnen auf KonzernlenkerInnen und andere „EntscheiderInnen“.
       Sie geben sich beim sogenannten Weltwirtschaftsforum (WEF) tief besorgt
       über den Zustand der Welt und diskutieren wirtschaftliche Fragen.
       
       Tatsächlich benennen die vorab veröffentlichten WEF-Reports zentrale
       globale Probleme wie die zunehmende soziale Ungleichheit und steigende
       Umweltrisiken – teilweise mit Formulierungen, die gar attac-Papieren
       entnommen sein könnten. Doch die ideologischen Scheuklappen der WEF-Autoren
       führen zu völlig widersinnigen Lösungsvorschlägen. Statt die Notwendigkeit
       eines sozialökologischen Umbaus anzuerkennen, wollen sie die verheerenden
       Folgen des neoliberalen Wachstumswahns ausgerechnet mit noch mehr
       Wirtschaftswachstum bekämpfen. Das ist absurd.
       
       Die Öffentlichkeit bekommt eine Show geboten. Im eigentlichen Forum werden
       Hunderte Vorträge und Referate gehalten, die folgenlos bleiben.
       PolitikerInnen halten flammende Reden und einige reiche Menschen erzählen,
       mit wie vielen Millionen Dollar sie Gutes tun. Und alle bekunden voller
       Überzeugung, dass sie mit vollem Einsatz Armut und Ungleichheit bekämpfen
       und die Umwelt schützen.
       
       Hinter den Kulissen werden derweil die wirklich wichtigen Dinge besprochen:
       Wie man Regierungen dazu bringt, die Steuerlast für Unternehmen zu senken.
       Wie Gewerkschaften aus den Betrieben vertrieben werden können, um die Löhne
       niedrig zu halten. Und warum man leider wegen des Renditedrucks nichts für
       die Umwelt tun kann.
       
       Deshalb brauchen wir ein anderes Davos. Ein echtes Weltwirtschaftsforum,
       das über alternative Lösungen für die ökologischen und sozialen Probleme
       ernsthaft debattiert. Wenn wir ein stabiles Ökosystem erhalten und zu einer
       Gesellschaft werden wollen, in der Gemeinwohl und individuelle Entfaltung
       sich gegenseitig bedingen, führt an der Diskussion über eine
       sozialökologische Transformation unserer Wirtschaft kein Weg vorbei.
       
       24 Jan 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alfred Shilongo
       
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