# taz.de -- wie machen sie das?: Der Bomben-entschärfer
       
       Clemens Stolte, 62, beschäftigt sich im Kampfmittelbeseitigungsdienst des
       Landes Niedersachsen seit mehr als 20 Jahren mit Kriegsmunition. Seit fünf
       Jahren entschärft er als Sprengmeister außerdem auch Bomben. 
       
       taz am wochenende: Herr Stolte, vor einer Bombenentschärfung müssen oft
       viele Menschen evakuiert werden. Sie tragen die Verantwortung – und müssen
       trotz des enormen Drucks Ruhe bewahren. Wie machen Sie das? 
       
       Clemens Stolte: Ich lasse es einfach auf mich zukommen. Zuerst kümmert sich
       die Behörde um die Evakuierung, bis mir gesagt wird: Jetzt ist es sicher.
       Diese Zeit nutze ich, um noch mal zum Objekt zu gehen, den Ablauf aller
       Vorgänge zu ordnen, und dann ist das eigentlich eine ganz ruhige Sache.
       
       Kann ein Husten oder Niesen im Ernstfall tödlich sein? 
       
       Nein, das wohl eher nicht. Sicherlich gibt es Momente, in denen das nicht
       gut ankommt – wenn man den Zünder rausschraubt oder den Detonator zieht.
       Diese Zeitspanne ist aber so kurz, dass das unwahrscheinlich ist.
       
       Im Film gibt es bei Bombenentschärfungen immer die dramatische Entscheidung
       zwischen dem roten und blauen Draht … 
       
       Drähte gibt es bei uns nicht. Konventionelle Aufschlagzünder geben uns
       recht viel Zeit. Mit einer gewissen Ruhe kann evakuiert werden. Bei einem
       Langzeitzünder sollte es dann doch relativ schnell gehen. Die Bomben liegen
       über 70 Jahre im Boden, damals war das schon gefährlich und jetzt umso
       mehr. Früher haben wir die Bomben mit Langzeitzündern durch Hannover oder
       andere Städte zu einem Sprengplatz gefahren. Das wird heute nicht mehr
       gemacht. 2010 haben wir drei Sprengmeister in Göttingen verloren, da sind
       wir wach geworden, dass das so gar nicht mehr geht.
       
       Also sitzt niemand direkt an der Bombe? 
       
       Nein. Entschärft wird aus der Distanz. Es wird ein Wasserschneidgerät vor
       die Bombe gesetzt, die Leitungen werden gelegt und alles eingerichtet.
       Dabei muss man schon sehr konzentriert sein. Das Schneiden selbst machen
       wir per Videoüberwachung im Sicherheitsbereich. Ob alles funktioniert hat
       und der Zünder entfernt wurde, können wir dann per Kamera sehen. Wenn
       allerdings noch mal geschnitten werden muss, muss man noch mal an die Bombe
       und das Gerät neu positionieren.
       
       Und wenn gerade mal keine Bombe von Ihnen entschärft werden muss? 
       
       Ich führe noch eine Bunkeranlage. Meistens aber sind wir unterwegs, um
       gefundene Munition zu bergen. Teilweise kommen wir auf bis zu 600
       Tageskilometer. Zum Gebiet gehören ja auch das Wattenmeer, die Inseln und
       die Zuleitungen zu den Windparks. Jetzt in den Wintermonaten ist es aber
       ruhiger. Klar, wer buddelt jetzt im Garten.
       
       Ulrike Stegemann
       
       13 Jan 2018
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ulrike Stegemann
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA