# taz.de -- die dritte meinung: Ein Denkmal nur für polnische NS-Opfer? Das wäre ein falsches Signal, sagt Stephan Lehnstaedt
       
       Weit über fünf Millionen Menschen ermordeten die Deutschen im Zweiten
       Weltkrieg in Polen. Beschämend wenig ist davon in der heutigen deutschen
       Öffentlichkeit bekannt. Auch deshalb gibt es aktuell die Forderung, in
       Berlin ein Denkmal für die polnischen Opfer zu errichten.
       
       Dabei wird vergessen, dass für die Mehrheit der ermordeten Polen bereits
       ein Denkmal existiert – das Holocaust-Mahnmal: Etwa zwei Drittel aller von
       Deutschen getöteten Polen waren jüdischer Herkunft. Am Berliner Stelenfeld
       allerdings wollte Präsident Dudas Kabinettschef keinen Kranz niederlegen.
       Darauf beziehen sich die Befürworter eines neuen Denkmals: Es gebe keinen
       Ort des Gedenkens an die polnischen Opfer. Aber waren diese Juden denn
       keine polnischen Bürger?
       
       Gefordert wird nun ein Denkmal nur für ethnische Polen. Dieses aber stünde
       für die Aufrechterhaltung des nationalsozialistischen Rassedenkens, was
       sämtlichen Antisemiten dies- und jenseits der Oder die Freudentränen ins
       Gesicht triebe. Das Andenken an die polnischen Juden würde gewissermaßen
       über die Hintertür geschichtspolitisch „entsorgt“, die Minderheit einmal
       mehr zu Opfern – und Polen – zweiter Klasse. Ein Denkmal für die „wahren“
       Polen wäre außerdem eine gefährliche Annäherung an die momentane
       Diskussionskultur, wonach nur diejenigen das Volk sind, die religiös wie
       historisch dazugehören und sich nicht von der Mehrheit unterscheiden.
       
       Polen wurden Opfer als Kommunisten und Nationalisten, als Juden, als
       Katholiken und Protestanten, oder einfach nur, weil sie zur falschen Zeit
       am falschen Ort waren. Darüber aufzuklären ist von höchster Wichtigkeit.
       Der Genozid an ethnischen Polen darf dabei aber nicht gegen den Genozid an
       jüdischen Polen – die Schoah – in Stellung gebracht werden. Es ist deshalb
       Zeit für ein deutsch-polnisches Museum, am besten in Berlin und in
       Warschau. Es könnte über die komplexe Vergangenheit aufklären und würde ein
       Zeichen für Verständigung setzen – und nicht für Nationalismus.
       
       7 Dec 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stephan Lehnstaedt
       
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