# taz.de -- EU-Austritt von Großbritannien: May macht Notfallpläne
       
       > Die Regierung bereitet sich auf den Fall vor, dass es beim Brexit zu
       > keiner Einigung mit der EU kommt. Johnson düpiert die Premierministerin
       > derweil wiederholt.
       
 (IMG) Bild: Immer wieder kommt es zu Differenzen zwischen May (r.) und Johnson (l.), was den Brexit anbelangt
       
       Manchester, London reuters, dpa | Die britische Regierung bereitet sich
       nach Worten von Premierministerin Theresa May auch für den Fall eines
       chaotischen Austritts aus der EU vor. May sagte am Sonntag in der BBC, die
       Ministerien stellten Pläne für den Fall auf, dass es zu keiner Vereinbarung
       mit der EU komme. Sie zeigte sich aber zuversichtlich, dass wie geplant bis
       März 2019 eine „Scheidungsvereinbarung“ zustandekommen werde. Vor dem an
       diesem Sonntag beginnenden Parteitag ihrer Konservativen in Manchester
       sagte sie, das Kabinett arbeite geschlossen daran, auch Außenminister Boris
       Johnson.
       
       Johnson stehe hinter ihrem Brexit-Kurs, betonte May. In einer Rede vor gut
       einer Woche in Florenz hatte sie eine Periode des Übergangs von zwei Jahren
       für den EU-Austritt als notwendig bezeichnet. In dieser Zeit solle es
       Großbritannien und der EU weiter möglich sein, ohne neue Hürden Handel zu
       treiben. Johnson hatte sich wiederholt für einen schärferen Kurs
       ausgesprochen.
       
       May sagte: „Die Regierung arbeitet an Vorkehrungen für den Fall, dass es
       kein Abkommen gibt.“ Zugleich arbeite sie aber daran, dass es einen
       Brexit-Deal mit der EU gebe. Bei dem Parteitag der Tories in Manchester
       muss May mit Gegenwind rechnen, nachdem die Konservativen in der
       vorgezogenen Wahl Anfang Juni ihre absolute Mehrheit im Unterhaus verloren
       hatten. May entschuldigte sich vor den Delegierten. Sie habe die Botschaft
       der Wähler gehört. Eigentlich wollte sie sich in der vorgezogenen Wahl
       Rückenwind für ihren Brexit-Kurs verschaffen.
       
       Indes ist Außenminister Boris Johnson erneut in Sachen Brexit vorgeprescht.
       In einem am Samstag erschienenen „Sun“-Interview gab er mehrere rote Linien
       aus, die bei den Brexit-Verhandlungen nicht überschritten werden dürften.
       Johnson offenbart damit erneut die Uneinigkeit im Kabinett in London und
       stellt nach Ansicht von Kommentatoren die Führungsrolle von
       Premierministerin Theresa May in Frage.
       
       ## Boris Johnson fordert weiterhin harten Kurs
       
       Johnson fordert unter anderem, Großbritannien solle sich während einer
       exakt zweijährigen Übergangsphase nach dem EU-Austritt im März 2019 keinen
       neuen Vorschriften der Europäischen Union (EU) oder Urteilen des
       Europäischen Gerichtshofs unterwerfen müssen.Zahlungen an Brüssel für den
       Zugang zum europäischen Binnenmarkt nach einer Übergangsphase schließt
       Johnson aus. Das Land dürfe sich auch nicht dazu verpflichten,
       EU-Vorschriften in nationales Recht zu übertragen, um den Marktzugang zu
       erhalten.
       
       Mit den öffentlichen Brexit-Vorschlägen düpiert Johnson die
       Regierungschefin zum zweiten Mal in kürzester Zeit. Zuletzt hatte er in
       einem Gastbeitrag im „Daily Telegraph“ wenige Tage vor Mays Rede in Florenz
       ausführlich seine eigene Brexit-Vision dargelegt. Mit Spannung wird
       erwartet, ob Johnson auch bei seiner Parteitagsrede am Dienstag wieder mit
       neuen Vorschlägen zum Brexit aufwartet. Die Rede von May ist für Mittwoch
       vorgesehen. Sie gilt seit dem schwachen Abschneiden bei der Parlamentswahl
       im Juni als angezählt.
       
       1 Oct 2017
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Theresa May
 (DIR) Boris Johnson
 (DIR) Tories
 (DIR) Theresa May
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
 (DIR) Theresa May
 (DIR) Ukip
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Schwerpunkt Brexit
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Theresa Mays Rede zum Parteitagsende: Mühevolle Pflichterfüllung
       
       Glücklos und von Pannen begleitet: Theresa May bringt den Parteitag ihrer
       regierenden Konservativen mehr schlecht als recht zuende.
       
 (DIR) EU und Brexit: Brüssel stellt sich quer
       
       Die Angebote der britischen Regierungschefin Theresa May reichen der EU
       nicht. Das könnte die Verhandlungen erneut weiter verzögern.
       
 (DIR) Kommentar Tory-Parteitag: Theresa May zeigt Galgenhumor
       
       Alles super? Das entspricht nicht der Realität. Beim nächsten Parteitag
       wird Theresa May weder Premierministerin noch Parteichefin sein.
       
 (DIR) Bolton ist neuer Ukip-Chef: Rechtsruck abgewendet
       
       Der fünfte Chef innerhalb eines Jahres: Der frühere Soldat Henry Bolton
       steht ab sofort an der Spitze der europafeindlichen Ukip-Partei in
       Großbritannien.
       
 (DIR) Labour-Parteitag in Großbritannien: Die rote Fahne hat einen grauen Bart
       
       Die Labour-Opposition ist bei ihrem Parteitag zum ersten Mal seit Jahren
       gut gelaunt. Parteichef Corbyn hat alles im Griff, Gegner schweigen.
       
 (DIR) Grundsatzrede von Theresa May: Alphatiere und die Premierministerin
       
       Theresa May will mit einer Brexit-Rede am Freitag den EU-Austrittskurs
       Großbritanniens klarstellen. Ihre Regierung ist streitverliebt.