# taz.de -- Reproduktive Rechte in Chile: Abtreibungsverbot wird gelockert
       
       > Schwangerschaftsabbrüche sind in Chile grundsätzlich verboten. Jetzt hat
       > der Senat drei Ausnahmeregelungen gebilligt. Das Gesetz muss aber noch
       > bestätigt werden.
       
 (IMG) Bild: Präsidentin Bachelet im Juli in Peru
       
       Santiago de Chile/Quito epd | In Chile hat das Gesetz zur Lockerung des
       strikten Abtreibungsverbots eine entscheidende Hürde genommen. Der Senat
       billigte in der Nacht zu Mittwoch drei Ausnahmeregelungen, wie die Zeitung
       „La Tercera“ berichtete. Demnach soll ein Schwangerschaftsabbruch nach
       einer Vergewaltigung, bei Gefahr für das Leben der Mutter oder wenn der
       Fötus nicht überlebensfähig ist, zulässig sein.
       
       Die Senatoren stimmten einzeln über jede Ausnahmeregelung ab. Am
       strittigsten war die Ausnahme im Falle einer Vergewaltigung. 18 Senatoren
       stimmten für diese Regelung, 16 votierten dagegen. Die
       Frauenrechtsorganisation Miles begrüßte die Entscheidung des Senats. „Chile
       hat einen Schritt zur Anerkennung von Frauenrechten getan“, erklärte die
       Organisation auf Twitter.
       
       Bisher sind Abtreibungen in Chile grundsätzlich verboten. Der
       Gesetzesartikel, der Ausnahmen zuließ, wurde 1989 in den letzten Monaten
       der Pinochet-Diktatur abgeschafft. Seither werden Schwangerschaftsabbrüche
       mit Gefängnisstrafen geahndet.
       
       Die Mitte-Links-Regierung von Präsidentin Michelle Bachelet hatte den
       Gesetzentwurf zur Lockerung des strikten Abtreibungsverbots bereits 2015
       ins Parlament eingebracht. Er gilt als eines der zentralen Wahlversprechen
       der Präsidentin. Die Abgeordnetenkammer stimmte dem Projekt 2016
       grundsätzlich zu, muss das Gesetz in dritter Lesung aber noch endgültig
       beschließen. Die konservative Opposition kündigte Verfassungsklage an.
       
       Die Lockerung des Abtreibungsverbots ist im konservativ geprägten Chile
       äußert umstritten. Während Menschenrechtsorganisationen und
       Frauenrechtlerinnen sich seit Jahren für das Projekt einsetzen, machen
       Kirchen und konservative Kreise dagegen mobil. Die Bevölkerung spricht sich
       laut Umfragen mehrheitlich für die drei Ausnahmeregelungen aus.
       
       Für die Umsetzung des Gesetzes bleibt der Regierung nur noch wenig Zeit. Im
       November stehen Präsidentenwahlen an. Bachelet darf laut Verfassung nicht
       direkt noch einmal antreten.
       
       19 Jul 2017
       
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