# taz.de -- heute in bremen: „Für Flugzeuge gefährlich“
       
       > Vortrag Ein Astrophysiker erklärt, warum Sonnenwind sich nicht zum Segeln
       > eignet
       
       taz: Herr von Kusserow, ist eine geringe Sonnenaktivität schuld am
       schlechten Sommerwetter? 
       
       Ulrich von Kusserow: Das ist ein Fehlschluss. Die Sonne beeinflusst das
       Erdklima nur sehr moderat und auf lange Zeiträume. Sie ist zwar ein
       Klimamotor – und beeinflusst damit das Wetter über einen Zeitraum von 30
       Jahren, zum Beispiel werden wir in zehn bis maximal 20.000 Jahren wieder
       eine Kaltzeit haben –, aber kurzfristige Wetterphänomene haben irdische
       Ursachen.
       
       Was ist Weltraumwetter und hilft da ein Regenschirm? 
       
       Allgemein verstanden beschreibt Wetter kurzfristige Veränderungen in der
       Atmosphäre. Das Weltraumwetter ist genau das, nur im All. Darunter fallen
       Phänomene wie Teilchenstrahlung und Wolkenstrukturen. So entstehen
       Kometenschweife und Polarlichter auf der Nordhalbkugel. Für Flugzeuge und
       Astronauten kann das aber auch gefährlich sein. Denn diese Teilchen
       beeinflussen technische Geräte.
       
       Was haben diese Teilchen mit dem Wetter zu tun? 
       
       Unsere Sonne ist magnetisch aktiv. Das Magnetfeld der Sonne schützt die
       Erde vor kosmischer Strahlung. Es gab im Mittelalter eine kurze Eiszeit,
       die die Wissenschaft auf diese Strahlung zurückführt. Denn wenn die
       Teilchen unsere Atmosphäre treffen, entstehen hier mehr Wolken. Die
       Sonnenaktivitäten führen aber auch zu heftigen Eruptionen. Diese stoßen
       Materie wie Elektronen und Protonen ins All. Dadurch entsteht Sonnenwind,
       und auch der beeinflusst die Wolkenbildung.
       
       Könnte man mit Sonnenwind segeln? 
       
       Stephen Hawking vertritt diesen Standpunkt, aber ich sehe das kritisch. Er
       und ein paar US-amerikanische Wissenschaftler wollen testen, ob Menschen
       beim erdnächsten Stern – Proxima Centauri – leben könnten. Denn nach
       Hawking sei die Erde in 1.000 Jahren nicht mehr bewohnbar. Sie planen,
       kleine Satelliten dorthin zu schicken. Und die sollen mit einer Art
       Sonnenwind betrieben werden. Aus meiner Sicht halten die Segel das aber
       nicht aus.
       
       Wer beeinflusst das Klima stärker – Mensch oder Sonne? 
       
       Wir – wie die Bekloppten halten wir Kühe und produzieren mit deren Mist
       Methan. Unsere Autoabgase pusten jede Menge Kohlenstoff in die Luft.
       Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum widersprechen dem Klimaschutz.
       Politiker sind leider zu uninformiert. Dabei müssen wir unser Verhalten
       drastisch ändern.
       
       Interview Lukas Thöle
       
       Vortrag: 11 Uhr, Haus der Wissenschaft, Olbers-Saal
       
       22 Jul 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lukas Thöle
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA