# taz.de -- Auf Indizien gestützte Anklage
       
       > IS-Prozess 
       
       Am Dienstag begann vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg der
       Prozess um drei mutmaßliche IS-Mitglieder. Die Syrer im Alter von 18, 19
       und 26 Jahren sollen vom IS mit Mobiltelefonen ausgestattet, im Umgang mit
       Waffen geschult und mit gefälschten Pässen nach Deutschland geschickt
       worden sein, um Anschläge zu verüben. Konkrete Hinweise auf
       Anschlagsvorbereitungen gibt es nicht.
       
       Ibrahim M., Mohamed A. und Mahir al-H. wurden im September 2016 in
       schleswig-holsteinischen Flüchtlingsunterkünften verhaftet.
       Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach von Verbindungen zu den
       Pariser Attentätern vom November 2015 und einer „Schläferzelle“. Der Chef
       des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, sah einen „neuen
       Tätertypus“ bestätigt, der „aus dem Ausland über Instant Messaging
       ferngesteuert“ werde.
       
       Die Bundesanwaltschaft stützt ihre Anklage allein auf Indizien – trotz
       aufwendiger Ermittlungen, monatelanger Beschattung durch das
       Bundeskriminalamt und Auswertungen von Chatprotokollen. Die Angeklagten
       seien völlig unauffällig gewesen, heißt es aus den Gemeinden, in denen sie
       festgenommen wurden. Andreas Mroß, Anwalt Mahir al-H.s, warf der Anklage
       „aneinandergereihte Behauptungen“ und „Zirkelschlüsse“ vor.
       
       Für den Prozess sind 27 Verhandlungstage angesetzt. Für eine mögliche
       Verurteilung der Angeklagten hängt viel von dem Kronzeugen Mahmoud al-G.
       ab, der seit Mai 2016 im Libanon inhaftiert ist. Der IS-Rückkehrer will
       sich zur gleichen Zeit wie die Angeklagten im syrischen Raqqa aufgehalten
       und Mahir al-H. in einem Haus für die Ausbildung von IS-Rekruten gesehen
       haben. Laut des Richters Norbert Sakuth kann er allerdings nur vor Ort und
       mit einem den dortigen Behörden vorab vorgelegten Fragenkatalog verhört
       werden. ECKE
       
       17 Jun 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lena Eckert
       
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