# taz.de -- Peter Philipp über die Sanktionen gegen Katar: Der Wind bläst aus Riad
       
       Das Außenministerium in Doha hatte am Montag Mühe, Überraschung und
       Verwunderung zu kaschieren: Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen
       zwischen sechs arabischen Staaten und dem Golf-Emirat Katar sei „nicht
       gerechtfertigt“ und das Ergebnis einer Hetzkampagne gegen das Land. Andere
       offizielle Stellen bestanden darauf, dass man dem massiven Druck nicht
       nachgeben werde: Katar sei und bleibe Teil des „GCC“
       („Golf-Kooperationsrates“).
       
       Ganz offensichtlich werde hier versucht, Einfluss und Vorherrschaft
       Saudi-Arabiens auf der Arabischen Halbinsel weiter zu stärken.
       
       Es ist mehr als offensichtlich, dass der Sturm aus der saudischen
       Hauptstadt Riad bläst: Kurz nach dem Besuch Donald Trumps dort war eine
       Meldung durch die Medien gegangen, der katarische Herrscher, Emir Bin Hamad
       al-Thani, habe den Iran für dessen Politik in der Region gelobt,
       Saudi-Arabien aber kritisiert. In Doha wurde dies als Fälschung und Intrige
       bezeichnet. Und nun dies: Katar sei seit geraumer Zeit mit massiver
       Einmischung in die inneren Angelegenheiten Saudi-Arabiens, der Vereinigten
       Arabischen Emirate und Bahrains befasst, es unterstütze islamistische
       Gruppen wie den IS, al-Qaida und, vor allem, die Muslimbruderschaft. Auch
       habe es sich auf die Seite des Iran geschlagen, des Erzrivalen der Saudis
       in der Region.
       
       Besonders diese letzte Behauptung macht deutlich, wie unüberlegt hier
       Stimmung gemacht wird: Katar soll also den schiitischen Iran unterstützen,
       gleichzeitig aber auch die genannten Terrorgruppen, die durchweg sunnitisch
       sind und eine radikale Anti-Iran-Position vertreten? Perplex von solch
       verwegener These, war aus Teheran nur der Wunsch zu hören, man möge den
       neuen Streit möglichst rasch mit Verhandlungen zwischen den direkt
       Beteiligten beilegen.
       
       Dazu dürfte es so schnell allerdings nicht kommen, denn die Maßnahmen gegen
       Katar sind umfassender als beim letzten Streit: 2014 hatten Saudi-Arabien,
       die Emirate und Bahrain ihre Botschafter für einige Monate nach Hause
       bestellt: Auch damals lautete der Vorwurf, Katar mische sich in die inneren
       Angelegenheiten dieser Staaten ein. Diesmal aber wurden die Beziehungen
       abgebrochen – von denselben drei Staaten und drei weiteren (Jemen, Libyen
       und Ägypten), die auch sonst klar hinter Saudi-Arabien stehen. Katar soll
       nicht nur politisch, sondern zudem auch wirtschaftlich isoliert werden: Der
       gesamte Nachschub für das Emirat kommt entweder auf dem Seeweg oder über
       die saudische Grenze. Von daher ist mit erheblichem Druck auf Doha zu
       rechnen.
       
       Unklar bleibt vorläufig, welche Rolle dabei die USA spielen werden: Die
       Zuspitzung auf der Arabischen Halbinsel kommt nur Tage nach dem Besuch
       Trumps in Riad. Washington dürfte allerdings kaum ein Interesse daran
       haben. Denn in Katar unterhalten die USA zusammen mit Großbritannien und
       Australien eine wichtige Luftwaffenbasis. Kaum vorstellbar, dass ein
       vermeintliches Zusammenspiel Katars mit dem Iran nicht schon längst Folgen
       gehabt hätte. Ebenso wenig aber ist vorstellbar, dass die USA von ihrer
       eigenen Basis aus tatenlos zuschauen, wie das Land unter wachsenden Druck
       der Saudis und ihres Gefolges kommt.
       
       Makaber ist, dass Saudi-Arabien und Katar in der Vergangenheit zu den
       Hauptunterstützern radikaler Gruppen in der Region gehörten, von der
       palästinensischen Hamas bis hin zu ehemaligen Al-Qaida-Gruppen und,
       zumindest anfangs, zum IS. Beide Staaten haben sich längst von solchen
       Vorwürfen distanziert und erklärt, man könne nicht individuelle
       Unterstützung durch eigene Bürger verhindern.
       
       Nicht zuletzt ist dies auch ein Kampf um die Pressefreiheit in der Region:
       Katar ist vielen Regimen lange schon ein Dorn im Auge, weil katarische
       Zeitungen, vor allem aber der TV-Sender al-Dschasira offen über Vorgänge in
       der arabischen Welt berichten. In Ägypten kam es bereits zum Prozess gegen
       ein Fernsehteam aus Katar, auch anderswo sind sie nicht mehr gern gesehen.
       Diesen Medien jetzt aber eine proislamistische, Terrorismus
       verherrlichende Linie vorzuwerfen, geht eindeutig zu weit.
       
       [1][Ausland]
       
       6 Jun 2017
       
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